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Das Weingut |
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Die anderen über uns:
Ein Tag mit Winzer Horst Hummel in Berlin
Nicht nur Barak Obama, auch wir von Livona waren am 18. Juni 2013 in Berlin. Horst Hummel, ein engagierter Winzer, hatte uns eingeladen, seine Weine zu verkosten. Wir begleiteten Ihn auf seinen alltäglichen Wegen durch Berlin und ließen uns in seiner “Auskocherei” bewirten. Als leidenschaftlicher Koch bekocht er gern Gäste in seiner “Suppenküche”. Im Stadtteil Prenzlauer Berg werden wir mit einem rustikalen Frühstück empfangen. Wir lassen uns Schinken, Melone, Spiegelei, Brezeln und Milchkaffee munden und sind ganz schnell in ein Gespräch über die Leidenschaft zum Wein vertieft. Schon in seiner Jugend in Schwaben hat sich Horst Hummel mit Wein beschäftigt, dem Regionalen wie Trollinger und Co. Er reiste viel durch die Welt und landete irgendwann auf einem Zeltplatz in Meursault im Burgund, wo er einen Meursault aus einem Blechbecher trank und dabei (oder trotzdem) feststellte – “So kann Wein schmecken.” Von da an war er endgültig infiziert und der Genuss guter Weine, verbunden mit mehr und mehr Wissen darüber, eine seiner Passionen. Anfang der neunziger Jahre zog es den jungen Anwalt nach Berlin, in die “einzige Metropole Deutschlands”. Wie Horst Hummel seine Weingärten fand
Die Tätigkeit als Anwalt ist dem Weltenbummler und Kreativkopf zu wenig. Wir haben Winzer Horst Hummel auch als Philosoph, Schriftsteller, Kunstliebhaber, Koch aus Leidenschaft und jetzt sogar als Ungar aus Überzeugung kennen lernen dürfen. Zum ungarischen Wein kam er auf der Rückreise aus der Vojvodina, der Heimat seiner Vorfahren, die auch Weinbau betrieben hatten. Auf der Suche nach der Gegend in Ungarn, wo der “beste Wein” wächst, führte sein Weg sehr schnell nach Villány, ganz im Süden Ungarns. Dort kreiert er seit 1998 seine eigenen Weine. Seit 2008 bewirtschaftet er die Weingärten konsequent nach den Regeln des biologischen Weinbaus. Grund für die Umstellung ist seine Philosophie eines guten Weines: “Ich will Terroir-Weine machen, das geht langfristig nur mit Bio.” Mit Horst Hummel durch Berlin
Sein Erfolg ist sicher auch die Nähe zum Kunden. Das erleben wir bei unserer “Dienstfahrt” durch Berlin. Sein Weinlager befindet sich in einer alten Brauerei in Berlin-Kreuzberg, wo viele Händler ihre Weine lagern. In einem optimal temperierten, großen Gewölbekeller geht jede Weinflasche durch seine Hand, bevor sie im Versandkarton landet. Auch seine Berliner Händler und Gastronomen beliefert er persönlich. Er packt noch eine Flasche vom neuen Rosé Schiller ein und auf geht’s zur nächsten Station, der Arminius-Markthalle in Berlin-Moabit. Die Verkostungsflasche probieren wir, nach einem Einkauf für unser Abendessen, im ZunftGenuss, einem Geschäft für “Wein und andere gute Dinge”. Sofort wird geordert, was auf die Güte des Weines, oder auf das Verkaufstalent von Horst Hummel schließen lässt. Er verkauft “Hummel-Weine”, die zweitens aus Villány und erst an dritter Stelle aus Ungarn kommen, dadurch hat er auch keine Probleme, ungarische Weine im Osten Deutschlands zu verkaufen. Denn was wir bis 1990 aus Ungarn an Weinen kannten, entspricht bei Weitem nicht mehr unserem heutigen Genussempfinden.
Weinverkostung und Essen Wieder zurück im Prenzlauer Berg beginnt unsere “Lange Nacht der Hummel-Weinverkostung”. Zum Programm gehören zwei Sekte, vier Weißweine und sechs Rotweine. Wir beginnen mit dem Pryxx Extra Brut 2010 und dem Pryxx Rosé Brut Nature 2010, zwei trockenen Jahrgangssekten, die klassisch in der Flasche vergoren wurden. Gefolgt von einem 2011er Bernstein Spätlese Süßwein, einem 2009er Villányi Hárslevelü-Lindenblättriger, gefolgt von einem 2008er Bernstein und einem 2009er Villányi Tramini-Gewürztraminer. Anschließend ging es in die Küche, wo Horst Hummel aus einem original ungarischen Huhn ein wunderbares Safranhuhn zauberte. Als Vorspeise kreierte er Ochsenmaulsalat mit Erdbeeren – ein schwäbisches Gericht. Kommentar von Adina: “Wer Fleisch mit Erdbeeren verfeinert, der kann nur gute Weine machen.”
Während das Huhn im Ofen zu seiner Hochform auflief und der Salat sich im fruchtigen Olivenöl wohlfühlte, ging es an die Rotwein-Verkostung. Auf unserem Programm standen ein 2011er Villányi Portugieser, ein 2010er Villányi Kékfrakos, ein 2009er Loess und ein 2006er J.M.. Zum Abschluss konnten wir noch zwei Probefüllungen verkosten, zum einen einen 2011er Jammertal und zum anderen einen 2011er Spatz. Beide sind noch nicht erhältlich, sie werden demnächst erst in die Flasche kommen. Nach diesem ausgiebigen Programm hatten wir uns ein zünftiges Essen verdient. Der durch das Olivenöl und die Erdbeeren überaus fruchtige Ochsenmaulsalat erinnerte an geschmorte Zunge und schmeckte sehr gut zu einem Glas Lindenblättriger. Zum zarten, würzigen ungarischen Safranhuhn passte der Portugieser optimal.
Voll des Genusses eines intensiven Tages mit Winzer Horst Hummel in Berlin, machten wir uns recht spät auf die Rückreise nach Dresden. Im Gepäck viele Fotos und Videosequenzen, die noch bearbeitet werden müssen. Wir möchten uns bei Horst noch einmal ganz herzlich für die Zeit mit Ihm bedanken. Peter Klingler, borwerk
Weingut Hummel – Villányi Portugieser 2010 Da ist einer reifer geworden, männlicher, steht wohl am Ende der Pubertät. Dennoch: in der Nase gar etwas verschlossen. Sanfte Röstaromen belagern die schüchterne, rotbraune Frucht, die wie aus Einweckgläsern herauslugend einem nicht über den Weg zu trauen scheint. Der kommt stark über seine Würze, die im Halt gibt, ihn trägt, Rückgrat und Fülle gibt. Das hat was. Und allemal mehr, als so ziemlich jeder Portugieser, den die Konkurrenz landesweit mehr als Pflicht denn als Aufgabe braut. Wirkt dadurch dicht, wobei er einem dabei schon ein wenig was vormacht. Und doch hat er zweifelsohne Substanz. Aufgerauhte Metallfläche, mit Erdbrocken und Holzspähnen bedeckt, Pfeffer, Wasabi und von rotbraunem Saft aus angerösteten Zwetschgen und Sauerkirschen getränkt. Die Säuren wirken neben und mit der Würze diese etwas verstärkend, stählern, hart. Überhaupt hat der Wein etwas sehr maskulines, ja auch animalisches. Mit ledernen Tönen, Laub, trockenem Fell. Wird zunehmend breiter, herausfordernder mit der Luft. Durch die Würze stramm bis hart mit dem Gaumen ins Gericht gehend im mittleren Abgang. Eigenständig. Mir gefällt’s. Und dabei ist es nur der einfache, nicht der Lagenwein. Ja, ich geb’s hier und jetzt zu, dass ich inzwischen zum Hummel-Fan geworden bin. Wein: Villányi Portugieser 2010 Captain Cork , 30.12.2011. Winzer des Jahres: Horst Hummel Weil er als Deutscher in Ungarn ein einzigartig individuelles Weingut hingestellt hat. Weil seine Blaufränkischen bald den österreichischen Spitzenprodukten das Fürchten lehren werden. Weil er seine Weine spät auf den Markt bringt. Und weil er zeigt, das gut Ding Weile braucht.
Unter stetigem Rühren. (Foto: Peter Klingler) Der Winzer des Jahres 2011 am Schiff heißt Horst Hummel. Hummel ist ein Berliner mit schwäbischen Wurzeln. Und Hummel kam hier auf dem Schiff schon öfter zu Besuch vorbei. Vor allem, weil Maat Klingler zu seinen wichtigsten Trommlern gehört. Und Klingler hat - wie immer - recht. Was muss ein Winzer des Jahres können? Jörg Bretz, der es 2009 war, keltert extremistische Weine, die er bis zu 10 Jahre im Fass reifen lässt. Bretz ist ein Fanatiker einer Ausbaukultur, die es längst nicht mehr gibt, da das Kapital gebunden im Fass herumliegt, anstatt Geld zu verdienen. Das kann sich nur ein Reicher oder ein Spinner leisten. Die Weine sind zudem sehr eigen, leicht oxidativ und zeigen eine kräftige Eleganz, die eben nicht nur auf den Einsatz alter Eiche zurückzuführen ist. Doch trotz all dieser Individualitäten sind Bretz' Weine zugänglich und sogar massentauglich. Winzer des Jahres 2010 war Angelo Gaja, eine auch auf dem Schiff umstrittene Wahl. Doch der Captain machte den wohl berühmtesten italienischen Winzer zum Winzer des Jahres, weil Gaja vorzeigt, wie man klug investiert, die Welt erobert und Krisen mit Gelassenheit übersteht. Und die Krise war damals wie heute ein Thema. Einzelgänger, Eigenbrötler Horst Hummel passt gut zum Einzelgänger Jörg Bretz. Ein Quereinsteiger - Hummel ist Rechtsanwalt - der sich einen Lebenstraum ermöglichte, den Lebenstraum Winzer zu werden. Diesen Traum haben viele. Und viele - auch der Captain - finden eine Möglichkeit, sich diesen Traum zu erfüllen. Mal besser, mal schlechter. Hummel aber ging 1998 in eine Region, die damals nicht gerade zu den billigsten Regionen Europas gehörte. Villány im äußersten Südwesten Ungarns galt in diesen Jahren als heimliche Hoffnung für den europäischen Rotweinanbau. Große Häuser, etwa Antinori, erwarben Grund und Boden. Villány sollte ein ähnlich berühmtes Gebiet wie Tokaj werden. Und die Ungarn überfiel die Euphorie. Heute, knapp vierzehn Jahre später, ist von der Euphorie wenig geblieben. In Villány hat man in der Boomphase den Fehler gemacht, international konnotierte Spitzenweine keltern zu wollen. Weine, die bei Marmeladefreunden wie Robert Parker eine hohe Punktezahl bekommen; schwere, alkoholische, tanninreiche und für lange Jahre untrinkbare Weine, die nationale und internationale Sammler Fantasiepreise entlocken sollten. So ist es nicht gekommen. Und Horst Hummel hat das geahnt. Ein Akademiker im Kleid des Bauern Nachmittags im Grill Royal in Berlin. Horst Hummel ist in seine ehemalige Heimatstadt zurückgekehrt, um hier, im derzeit noch immer angesagtesten Restaurant der Metropole, seine Weine zu präsentieren. Der Grill Royal mag zwar von Gourmet-Testern (aus völlig unverständlichen Gründen) gehasst werden, die Weinkarte jedenfalls zählt zu den besten Deutschlands. Nicht die Größe der Auswahl ist hier einnehmend, sondern die Wahl der Winzer, die Vernunft der Ökonomie, das Originelle der Selektion. Und dann hat man im Grill noch einen Spleen: Man will hier gereifte und trinkbare Weine anbieten. Und stellt junge Flaschen schon mal länger in den Keller. Horst Hummel trägt eine Jeansjacke und ein einfaches Hemd. Er ist das Gegenteil der jungen und schnieken Winzer, die man in Mitteleuropa nun so oft findet. Er ist ein gestandener Bauer, nichts deutet darauf hin, dass dieser Mann das Handwerk des Juriducum beherrscht und Akademiker ist. Und dann kramt Hummel einen Teil seiner Kollektion hervor und schenkt dem Captain Glas für Glas ein. Und (fast) jedes Glas ist fantastisch, einzigartig und beseelt. Hummel ist fast rührend, wie er von der Größe seiner Weine weiß und sie trotzdem nicht in richtiger Gebühr verhandelt. Als der Captain Weine von Hummel vor drei Jahren das erste Mal getrunken hat, da war schon zu sehen, dass hier einer die neue Tradition der Region Villány über Bord wirft, dass da einer zu authentischen Trinkweinen zurückkehren will, ohne dabei in das Mittelalter des Weinbaus zurückzukehren. Und wie so oft war es mehr Segen als Fluch, dass seine Mittel begrenzt blieben.
So ein Wahrzeichen von Villány: der Berg Nagyharsány-hegy (Foto: Wikipedia) Schon Hummels einfacher Traminer 2009 ist ein Lebensspender, ein Wein, von dem man gleich drei bis vier Gläser trinken will. Primärfruchtig, elegant, ausbalanciert, fröhlich, ohne durchzudrehen. Etwas Zucker, ordentlich Creme. Und das für quasi kein Geld. Das Matte matter machen Danach der sehr individuelle Hàrslevelü Bernstein Barrique 2009, ein Wein, bei dem alles schief gehen kann, wenn man nicht genau arbeitet. Denn die Hàrslevelü ist eine Sorte, die sich eigentlich perfekt nur für die Cuvéetierung eignet (vor allem im Tokaj) und reinsortig wenig zu glänzen weiß, ja sogar eher matt wirkt. Und oft leblos. Hummel hat das Matte der Sorte in die elegante Richtung gedrängt, hat den Wein neun Monate in gebrauchten ungarischen und französischen Burgunderfässern ausgebaut. Ein typischer Barriquegeschmack ist also kaum zu schmecken. Das wenige Holz jedoch verhilft dem Wein zur Größe. In der Nase schwarzer Tee, Salbei, etwas Erdbeere, Kohlrabi. Im Mund eine schöne Creme, nahezu Fülle und Opulenz, die von einer gemäßigten, aber einsatzbereiten Säure reduziert wird. Ein Wein im Gleichgewicht, dessen individuelle Ausrichtung entblößt wird. Großer Stoff. Großer Spatz Aber es kommt noch größer: Der Kékfrankos (Blaufränkischer) "Spatz" 2009, eine Lagenselektion, hat die gleiche Augenhöhe wie die großen und teuren traditionellen österreichischen Blaufränkischen. Etwa jene von Roland Velich. Der Wein lag 12 Monate in gebrauchter Eiche und schafft etwas, das die Österreicher noch nicht zusammengebracht haben. Nämlich Anklänge einer internationalen Stilistik, die aber - irgendwie zu Parodie reduziert - einem authentisch-regionalen Stil Platz machen muss. Und das Wort "Parodie" ist nicht abwertend gemeint: Hummel will ein Augenzwinkern. Alle Ernsthaftigkeit der Arbeit, das biodynamische Arbeiten, die Spontanvergärung, die typisch deutsche Geradlinigkeit: Das alles bricht Hummel mit diesem Touch Internationalität in einem völlig klar regional verwurzelten, kräftigen und lange lagerfähigen, mineralisch herausfordernden, tanninreichen Spitzenwein. Und weil man aus Villány auch eine internationale Kreszenz liefern muss, keltert Hummel die Spitzencuvée J.M. (da hätte die Namensgebung ruhig origineller ausfallen dürfen). 50 % Cabernet Sauvignon, 40 % Kékfrankos und 10 % Merlot. Das Besondere aber ist der Jahrgang: 2006. Hummel hat seinen Flaschen viel Zeit gegeben, im Keller zu reifen. Und bringt den Wein erst jetzt auf den Markt. Versprochen! Gehalten! Und der hält, was Hummel verspricht. Der Cabernet kennt keine grünen Noten, seine Beerenfruchtigkeit wird von der Würze der anderen beiden Sorten gekontert. Was rauskommt ist ein besserer Bordeaux zu einem besseren Preis. Horst Hummel experimentiert noch erfolgreich mit der Sorte Blauer Portugieser. Das hat schon Maat Klingler ausführlich beschrieben, der Captain aber findet Portugieser - obwohl jener von Hummel ein gewisses Potential hat - eine unnötige Sorte. So wie etwa Trollinger oder anderen hellen Rotweinscheiß, den die schlanke Welle jetzt nach oben spült. Deswegen will der Captain da keine Äußerung machen. Angeblich ist dieser Portugieser der beste der Welt. Und das wird wohl stimmen. Horst Hummels Weine gibt es inzwischen in Deutschland gut zu kaufen. Mit knapp acht Hektar Rebfläche ist er ein perfekt aufgestellter Mittelwinzer, ein verlässlicher Lieferant außergewöhnlicher, individueller, moderner und sogar leicht verständlicher Exklusivware. Deswegen vor den Vorhang. Und langen Applaus. Morgen gibt's dann den Wein des Jahres. Also noch ein Vorhang, noch ein Applaus. www.captaincork.comGo East: Herr Hummel sieht rosé
Der erstaunliche Herr Hummel Von Stuart Pigott Posted on June 13, 2011 by sabrina
Horst Hummel, ungarische Winzer und berliner Anwalt Außerhalb Deutschlands kennen die wenigsten Weinfreunde die aktuelle deutsche Weinszene. Viele von ihnen neigen dazu zu glauben, dass deutsche Jungwinzer genauso drauf sind wie junge ehrgeizige Winzer überall auf Planet Wein. Dass es in Wein-Deutschland eine besondere kreative Freiheit gibt und in Wein-Berlin ein Multi-Kulti-Geist herrscht, können sich die meisten Ausländer nicht vorstellen. „In Germany, are you crazy?“ fragen sie oft ungläubig, wenn man davon erzählt. Für alle diese Menschen erzähle ich jetzt die Geschichte des erstaunlichen Herrn Hummel. Die Hummel-Weine aus dem Villány-Gebiet in Ungarn, nahe an der kroatischen Grenze im Süden des Landes, sind mir erstmals vor fünf oder sechs Jahren in Berlin begegnet. Beim ersten Kennnelernen wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Ein bis zwei Jahre später lernte ich in Berlin einen eindeutig deutschen Menschen namens Horst Hummel kennen, und auch da wusste ich nicht, was ich von ihm halten sollte. Obwohl Hummel oft in Villány ist, um seine acht Hektar Weinberge zu pflegen und die daraus entstehenden Weine im Keller zu begleiten, arbeitet er immer noch als Rechtsanwalt in Berlin (was auch der Hauptmarkt für seine Weine ist). Seit unserer ersten Begegnung fiel jeder neue Jahrgang von Hummel besser aus, und 2008 begann er, jeweils im Februar in Berlin ein grandiose Villány-Weinparty zu veranstalten. Ich lernte ihn nach und nach besser kennen, als Anwalt Horst Hummel, der beide Füße auf dem Boden hat, und als skurrilen Winzer und Wein-Unternehmer. Eins kam zum anderen, und seit February 2011 ist Hummel der WEINHIER-Anwalt. Manche Leute scheinen zu glauben, dass er diesen Job aufgrund seienr Bereitschaft bekam, für nichts zu arbeiten, im Gegenzug für viel Pigott-Lob für seine Weine. Tatsächlich sind aber bereits einige tausend Euro auf sein Konto von uns überwiesen worden, und damit kann das nicht stimmen. Der wahre Grund, warum wir uns für ihn entschieden haben, lautet dass er sich gleichermaßen bei Presserecht und Wein auskennt. Noch besser, er teilt meine und WEINHIER Mitgründer Brendan Howells Überzeugung, dass das Thema Wein im Netz bisher viel zu knapp und schlapp zur Geltung kam. Aber zurück zum Winzer Horst Hummel. Im Laufe der 1990er ließ ihn seine Begeisterung für den Weinbau und seine Faszination mit Ungarn – nach wie vor das unterbewerteste Weinbauland Europas – von einem Weinbaugebiet zum nächsten ziehen, auf der Suche nach Weinbergen. Am Ende seines zweiten Besuchs in Villány war er bereits Besitzer von mehr als sieben Hektar. Wie er seine erste Weinlese und die Winzer 1998/9 beschreibt, war es eine ziemlich harte Einführung ins Winzerleben, und es folgte bald darauf eine nicht weniger ruppige Einführung ins Weinmarketing und den hartnäckigen Ostblock-Ruf, der Ungarn im Westen anhängt, was nicht gerade verkaufsfördernd wirkt. Es hat leider lange gedauert, bis mich das neue Wein-Ungarn erreichte, aber dann hat es mich richtig gepackt. Dafür verantwortlich war Zoli Heiman aus Székszard, den ich 2008 auf der FH für Weinbau in Geisenheim kennenlernte. Er organisierte zwei tolle Reisen in seine Wein-Heimat und öffnete dabei meine Augen für die ungarische Kultur. Ich entdeckte eine ziemlich komplexe Weinszene, die mengenmäßig von sauberer, korrekten aber banaler Massenware dominiert wird. Am anderen Ende der Skala liegen die mächtigen (und überextrahierten) Rotweine, die von den Neureichen Budapestern bevorzugt werden. Mir erscheinen die meisten dieser Gewächse wie trockene Portweine! Doch daneben gibt es die hochindividuellen trockenen Weiß- und Rotweine, vorwiegend aus authochtonen Traubensorten, die genauso eigenständig sind wie die Spitzenweine des deutschsprachigen Raums, aber zusammen ein ganz eigenes Geschmacksuniversum bilden. Zu dieser Gruppe gehören die Hummel-Weine.
Hummels Portugieser Rotwein jammert auf hohem Niveau Das Bild oben zeigt einen von Hummels neuesten und innovativsten Weinen, den Jammerthal, einen Rotwein aus der Portugieser-Traube. Portugieser genießt unter den Winzern Villánys neben den Berühmtheiten Cabernet und Merlot keinen besonderen Ruf. Der Name des Weins, wie viele andere Namen in Villány, ist eindeutig deutsch. Im frühen 18. Jahrhundert wurde das fast leere Gebiet von Donauschwaben besiedelt. Jammerthal ist die vermutlich bekannteste Spitzenlage des kleinen Gebiets, was aber manche deutschen Fachleute nicht davon abhält, das Etikett zu verurteilen: „Das können Sie, dürfen Sie nicht auf eine Weinflasche schreiben!“ Dieser Aufschrei geschieht, bevor sie den reichhaltigen, seidigen Rotwein mit dem herrlichen Duft reifer roter Beeren und Kirschen überhaupt verkostet haben. Die andere beachtliche Innovation dieses Jahres bei Hummel ist der noch ziemlich unentwickelte 2009 „Spatz“, ein Kékfrankos (der Name von Blaufränkisch / Lemberger in seiner ungarischen Heimat). Trotz Kraft und Konzentration handelt es sich um einen recht schlanken Rotwein, der noch viel Flaschenreife braucht, um seine beste Form zu erreichen. Lässt man ihn im Glas eine Weile stehen, entwickelt er Holunder-, Kakaopulver- und Graphitnoten. Für Hummel ist diese Traube „der Pinot Noir Mitteleuropas“, eine Überzeugung, die er mit Roland Velich von Moric in Burgenland/Österreich teilt. Auch in punkto Ausbau ist es der richtige Vergleich. Hummel und Velich sind beide sehr vorsichtig mit neuen Eichenfässern im Keller. Der kleine Bruder des Spatz, Hummels „einfacher“ 2008 Villány Kékfrankos ist deutlich offener mit Pfeffer- und Lakritz-Aromen sowie animierender Saftigkeit. Jammertal und „Spatz“ kosten 19,50 Euro direkt von Hummel (in Berlin), was freundlich ist für diese hohe Qualität. Der Villány Kékfrankos hingegen ist für 7,50 Euro ein Knüller-Schnäppchen. Und was zum Teufel ist das alles hinter Hummel im obenstehenden Foto? Der Winzer-Rechtsanwalt nennt es seine „Inspirationswand“. Zum Verkostungsmarathon in seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg spielte im Hintergrund Neil Young’s Live-Album ‘Rust Never Sleeps’. Das ist der deutsche Wein-Zeitgeist im 21. Jahrhundert.
Ein Blick im Hirn von Hernn Hummel www.borwerk.de Villány heute Teil V: Der emsige Hummel Überraschendes aus Ungarn Über einen, der auch Hochdeutsch kann. Aber vor allem Weine machen. Andere, als die meisten um ihn herum. Da unten, im Süden Ungarns, in Villány. Dort, wo er herkommt, nennt man solche wie ihn "Neig'schmeckte". Zugezogene, die nie ganz ankommen - auch und vor allem, weil es die Einheimischen nicht zulassen. Dort, wo er gelandet ist, stimmt das für ihn nur bedingt. Villány, im Süden Ungarns, Batthyány Straße 4, im Zentrum des Ortes und nur ein paar Schritte von den Kollegen Bock und Malatinszky (LINK) entfernt. Hier verbringt Horst Hummel, gebürtiger Schwabe, Wahl-Berliner und ehemaliger Hobby-Winzer inzwischen gut die Hälfte des Jahres. Das, was er ursprünglich hauptberuflich machte, hat mit Reberziehung, Maischestandzeiten und der Wahl des richtigen Fasses nichts zu tun. Arbeits-, Presse- und Urheberrecht sind nach wie vor die Schwerpunkte seines Anwaltslebens. Das, was seine eigenen Weine von ihm abverlangen, überspannt aber seit längerem den Status eines Hobbywinzers. Mindestens so lange ist Horst Hummel kein echter Fremdkörper mehr im so beschaulichen wie überschaubaren Villány. Er ist zu einem geschätzten Menschen und - was seine Weine anbelangt - allenfalls zu einem verkannten oder unterschätzten Kollegen geworden. Und das in Süd-Ungarn: Junge "schwäbische" Trotzköpfe Womit wir dann auch schon beim Thema wären, der Stilistik der Hummel'schen Weine. Denn das Verkennen oder Unterschätzen hat viel damit zu tun, dass seine Weine anders sind. Wer in sie "reinschmeckt", trifft nicht auf das klassische Villány. Da ist nichts Fettes, nichts Hochalkoholisches, kein Übermaß an Holz. Es scheint, als wollten manche Weine einem in den ersten Lebensjahren gar nicht den Gefallen tun, gefällig zu sein. Schwäbische Trotzköpfe. Unverschämt fordern sie nach Zeit, ergo Geduld und Zuwendung. Zeit zum Reifen, zum Lüften im Glas. Geduld zum Wahrnehmen, zum Darstellen ihres Selbst. Der 2009er Portugieser aus der Lage Jammerthal etwa. Kein gängiger Zeitgenosse. Erst einmal und vor allem gesetzt, zurückhaltend. Da will jemand nicht fett sein, kann es ja auch nicht. Also bleibt er sich selbst treu und das auf eine Weise, die fast schon als anmutig zu bezeichnen ist: mit einem hin und her Oszillieren zwischen kühlem Holz und ebensolcher dunkelroter Kirschfrucht, mit dezenten, diplomatisch bescheiden einwirkenden Säuren, matt adstringierend. Das hat einfach was und damit gleich so viel mehr, als die üblichen kraftlos weil lieblos behandelten Vertreter dieser eigentlich traditionellen Rebsorte der Region. Düngen sein lassen, Authentizität gewinnen Ursachenforschung. These eins. Herr Hummel, bitte: "Wer auf Qualität setzt, kann nur mit der Natur erfolgreich sein." Sprich: entscheidend ist erst einmal und vor allem, was im Weinberg passiert. Für Horst Hummel bedeutet das zwingend biologischen Weinbau. Das ist konsequent programmatisch zu verstehen, nicht etwa als Trend oder eines Öko-Siegels wegen. Konkret und verkürzt heißt das: Düngen sein lassen, Authentizität gewinnen. Die Rebpflanze, auf sich selbst verweisen, soll gefälligst ihre naturgegebenen Stärken ausspielen und mit dem klar kommen, was die Umgebung ihr bietet. Auch wenn dies viele seiner Winzerkollegen vor Ort so denken und beim Düngen in die Vollen gehen: karge Böden bedeuten im Endergebnis nicht karge Weine. Denn der in Villány vorherrschende schwere Löss trägt ohnehin genug Wuchskraft in sich. Nächstes Beispiel: die kleine rote Cuvée "Loess". Für wenig Geld bekommt man ein spannendes Stück Villány, zudem auch noch direkt ansprechend, wenig verstellt und ohnehin nicht verfälscht. Dank viel Kékfrankos (also Blaufränkisch bzw. Lemberger) und ordentlich Portugieser mit schöner, saftiger Kirschfrucht und Würze, zusätzlich Struktur und Rückgrat verleiht noch etwas Cabernet Sauvignon. Ein eigenständiges Charakterköpfchen. Hier ging es um den inzwischen ausgekauften 2007er, der 08er kommt bald. Ursachenforschung, die Zweite. Also, bitte, Herr Hummel, die These: "Ein guter Wein macht sich selbst." Meint nicht, dass Wein erzeugen ein Selbstläufer ist. Stellrädchen gibt es. Meint vielmehr die Verlängerung des Nicht-Eingreifen-Wollens vom Weinberg in den Keller: bloß keine Reinzuchthefen, sondern spontane Vergärung in offenen Gärtanks. Dann harrt alles noch zwei bis vier Wochen zur Mazeration auf der Maische aus. Am Ende, bei den Roten, der Ausbau in Holzfässern, Barriques, gebrauchte, teils aus Burgund. Auf den letzten Details liegt die Betonung. Denn Horst Hummel Liebe für Burgunder spiegelt sich nicht nur in so manch eingesetztem Gebinde wider. Sie findet sich auch in seinem Bemühen, eine derartige Stilistik in seinen Weinen abzubilden. Ein Spatz, der was über Burgund von den Dächern pfeift Der selektierte Kékfrankos "Spatz" 2009 aus der Lage Veréb, Ungarisch für eben jenen Piepmatz, kommt dieser nach eigenem Bekunden am nächsten. Mit einer Granatapfel-Blutorangenmischung, Spuren halbgetrockneter Kräuter und dezenten Graphit-Tönen in der Nase. Und im Mund sofort da, weich, saftige rote, klare, fast transparente Frucht. Nicht aber Fruchtigkeit, deswegen fest und souverän in der Struktur und eben nicht verspielt oder oberflächlich. Etwas Herbes, Metallisches ist da noch, gut adstringierend, mit Mandeln im Abgang. In der Tat ein schöner, eigenständiger Blaufränkisch mit Potential. Das Terroir Villánys' zulassen. Für Horst Hummel bedeutet es ein spannendes Spiel mit Gegensätzen. Ein Spiel mit teils extremem kontinentalem Klima und gemäßigten mediterranen Einflüssen. Heiße Hochsommertage und -nächte treffen auf kalte Lössböden. Doch schon die Spätsommernächte wirken mit ihrer frühen, harschen Kälte wieder als Antipoden. Das Spiel verlängern lässt sich durch den entsprechenden Rebsortemix. Entsprechend finden sich in Hummels Portfolio neben den "warmen" internationalen Sorten wie etwa den Cabernets oder einem einfachen Merlot und dem Premium "Xeyn" folgerichtig die bereits exemplarisch beschriebenen "kühlen", blauen Sorten, wie Portugieser und Kékfrankos. Der "Neig'schmeckte" geht andere Wege als die meisten seiner Kollegen. Seine Überzeugung trägt ihn dabei. Sein Konzept steht. Die herbe Widerständigkeit und bisweilen aufscheinende Unruhe manch seiner Weine - exemplarisch sei hier auf den einfachen Portugieser aus 2008 zu nennen - überzeugt vielleicht nicht jeden. Muss ja auch nicht. Der Faktor Zeit spielt für seine Weine, tut ihnen gut. Horst Hummel offensichtlich auch. Denn was er macht, macht er von Jahr zu Jahr besser. Und damit tut er nicht nur manchem Gaumen Gutes. Er trägt seinen kleinen, jedoch nicht zu unterschätzenden Teil dazu bei. Zu einem neuen, anderen Villány. Über den Umweg von Berlin. Alles andere wäre vermutlich zu einfach. dann würde es jeder machen. Und wann führen auch schon die kürzesten, geraden Wege zum Ziel. Vom äußerst soliden, trockenen und säurearmen Hárslevelû (Lindeblättrigen) über einen frischen Rosé und kräftigen Schillerwein (beide auf Blaufränkisch-Basis) und mit einem Abstecher zu einer süßen Spätlese aus Hárslevelû namens "Bernstein" mit Metall-Stroh-Honig-Aromatik bis hin zum komplexen, immer noch etwas verschlossen wirkenden Top-Cuvée J.M. (aktuell ist der 2006er zu haben) sind alle Weine direkt bei Herrn Hummel bestellbar (er liefert aus Berlin überall hin). Dort finden sich auch noch weitere Bezugsquellen, im Netz und über Ladengeschäfte. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13. Februar 2011 REINER WEIN Überraschendes aus Ungarn Groß ist die Kluft zwischen dem Erfolg von Ungarns angesehensten neuen Rotweinen im eigenen Land und ihrer fehlenden Präsenz außerhalb ihrer Heimat. Im Großraum Budapest werden vor allem die tieffarbigen, sehr kräftigen und oft massiven Rotweine aus dem Villány-Gebiet im Süden des Landes nahe an der Grenze zu Kroatien gefeiert. Dass ungarische Weinfreaks manche dieser Weine wegen ihrer Übermächtigkeit kritisieren, unterstreicht nur, wie diese Gewächse seit dem Ende des Kommunismus zu den etablierten Rotweinen des aufstrebenden Landes avanciert sind. Am deutschen Markt oder im englischsprachigen Raum sind sie allerdings kaum präsent. Groß ist auch die Kluft zwischen der Bühne, welche die Weine in der glanzvollen neuen Spitzengastronomie und den Tophotels von Budapest finden, und den sehr ländlichen Verhältnissen in und um die Kleinstadt Villány, wo sie erzeugt werden. Eigentlich handelt es sich dabei um die Stadt Wieland, bis 1945 eine deutsche Stadt, aus der dann viele, aber keinesfalls alle deutschstämmigen Einwohner vertrieben wurden. Bis auf 444 Meter Höhe steigt das Villányi-hegység-Gebirge, an dessen Südseiten die Weinberge liegen. Es sind die wärmsten Weinberge Ungarns, was zusammen mit den vorherrschenden nährstoffreichen und wasserhaltigen Lössböden zur Üppigkeit der Rotweine führt. Viel Sinn hätte es nicht, diese Welt zu beschreiben, gäbe es nicht den Berliner Rechtsanwalt Horst Hummel, der 1998 begann, ein Weingut in Villány aufzubauen, und seit 2009 auch Importeur für die Weine einer Reihe seiner Winzerkollegen ist. Dieser inoffizielle Botschafter des Gebiets kämpft gegen zwei große Vorurteile: Unter weniger erfahrenen Weinfreunden gilt Ungarn nach wie vor als Ostblock und daher minderwertig; unter den erfahrenen hingegen steht Villány für teure oder gar überteuerte Weine. … In diesem üppigen Kontext wirken Horst Hummels eigene Weine schlank und eigen. Mit seinem Duft nach getrockneter Orangenzeste und Wacholder sowie einer betont frisch-herben Art schreit der 2007er Kékfrankos (7,50 Euro) nach fetthaltigem und würzigem Essen. Viel körperreicher ist die 2006er "J.M."-Rotwein-Cuvée (25 Euro), die mit ihren vollen, sanftherben Gerbstoffen die traditionelle Bordeaux-Rotwein-Welt durch eine sehr dezente Holznote von der Fasslagerung mit der Fülle des mediterranen Einflusses in Villány verbindet. Es handelt sich um ein seltenes Beispiel dieser Stilistik in der modebewussten Weinwelt. Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.02.2011, Nr. 6 / Seite 48 Peter Klingler, Borwerk
http://borwerk.de/
Markus Hofschuster, Wein-Plus
http://www.wein-plus.de
Markus Hofschuster, Wein-Plus
http://www.wein-plus.de
Markus Hofschuster, Wein-Plus
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Markus Hofschuster, Wein-Plus
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Stuart Pigott, Mein Weintelegramm 90
4. Januar 2010 Weinwisser 2/2009
Till Ehrlich. Horst Hummel hat einen Riecher: 1998 gründete er im südungarischen Villány sein kleines Weingut – rechtzeitig bevor der Hype um Ungarns Vorzeigerotweingebiet begann. Mit der Gründung knüpfte Hummel an die donauschwäbische Weintradition seiner Familien an. Schon Urgroßvater Josef Müller war Winzer in der Vojvodina, bis er 1945 vertrieben wurde. Hummel ehrt ihn mit der Cuvée J.M.. Momentan bewirtschaftet der in Berlin lebende Hummel 7,5 Hektar in besten Lagen wie Jammerthal in Villány und Várerdö (Burgwald) in Nagyharsány. Anders als viele Villányer Winzer begreift sich der Quereinsteiger nicht als Winemaker, der in internationalen Gewässern fischt, sondern als Interpret des Villányer Terroirs. Mit Gespür und Präzision erkundet er das Potenzial seiner Rebberge, wobei er die versunkene Villányer Weintradition wieder belebt. Seit dem Jahrgang 2008 werden die Weingärten ökologisch gepflegt. Die Produktion ist handwerklich inklusive Ertragsredu! Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Ohne Zweifel ist Villány, das südlichste Weinbaugebiet Ungarns, seit langem bekannt als "klein, aber sehr fein". Dort wurden die ersten beeindruckenden ungarischen Rotweine nach der Wende erzeugt, und das war kein Zufall. 1993 begann man mit systematischer Ertragsreduzierung, um die Qualität zu verbessern, und bereits nach fünf Jahren waren die Spitzenweine im Inland recht teuer und sehr begehrt. Aber eigentlich wurde damit nur eine Tradition des Qualitätsweinbaus aus der vorkommunistischen Zeit wiederbelebt. Damals war ein bedeutender Anteil der Bevölkerung deutschstämmig. Trotz der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn unmittelbar nach Kriegsende 1945 sind einige deutsche Familien wie die Tiffáns geblieben, und inzwischen gibt es "neue" deutsche Winzer in Villány wie den Berliner Rechtsanwalt Horst Hummel. Beeindruckend ist das offene Miteinander der sehr unterschiedlichen Villány-Winzer; zweifelsohne ein Erfolgsgrund. Hinzu kommt die besondere weinbauliche Situation an der Schnittstelle der pannonischen und mediterranen Klimazonen auf etwa dem gleichen Breitengrad wie Bordeaux. Der Winter ist mild und der pannonische Sommer warm; nur mediterraner Herbstregen kann einen Strich durch die Rechnung machen. Die etwa 1500 Hektar Weinberge liegen überwiegend auf der Südseite des Villányi-hegység-Bergrückens, von dem man in Richtung Kroatien blickt. Auf den sanften Hängen am Fuß dieser Muschelkalkformation ruht eine Decke aus nährstoffreichem, wasserspeicherndem Löss. Kurz gesagt, für viele einheimische und importierte Rebsorten traumhafte Bedingungen. ... Pester Lloyd Nr.5, 28. Januar 2009 Önologische Handarbeiter Mitten unter den prominenten ungarischen Winzern haben sich in der Villány/Sikloser Weingegend zwei deutsche Weingüter etabliert, beide auf "Bio" ausgerichtet, die mittlerweile auch den Respekt der ungarischen Platzhirsche genießen. Beide sind seit etwa zehn Jahren in der dortigen Weinregion aktiv. Wir konnten bei unseren Besuchen nur staunen, was ihre Weinleidenschaft alles zustande bringt. Weingut Horst Hummel, Villány Diesen Winzer haben wir nicht beim Weinlesen, sondern beim Vorlesen kennen gelernt. Er las im Lenauhaus in Pécs mehrere Essays - eines seiner Themen was das Donaudelta und die Verbindung von Rhein und Donau. Das war genauso spannend wie die Weine, die wir anschließend verkosten konnten. Hummel gründete sein Weingut 1998, mittlerweile baut er 7,5 ha nach den Richtlinien des integrierten Landbaus an und hat seit 2008 auf Bio umgestellt, ist aber im Gegensatz zu Wassmanns (noch) nicht Bio-zertifiziert. Auch er kam nach Villány wegen der außergewöhnlich guten Bedingungen für die Rotweinproduktion: Villány liegt klimatisch auf der Grenze zwischen mediterranem und kontinentalem Klima, verfügt über sehr mineralische und kalkhaltige Lößböden und über ein mildes Mikroklima. Damit verfügt es über ein mit keinem anderen europäischen Weingebiet vergleichbares Terroir zur Erzeugung von Rot- und Weißweinen mit eigenständigem Charakter von höchster Qualität. 90% seiner Weine werden in Deutschland vermarktet. Beide Weingüter machen keine "industriellen" Weine unter Zusatz von Reinzuchthefen, Enzymen und Bakterien, ganz zu schweigen von Holzchips sowie anderen Aromatisierungen und technischen Verfahren. Interessant an beiden Weingütern ist die Verbindung zur Juristerei, so ist Horst Hummel neben seinen schriftstellerischen Ambitionen auch noch Rechtsanwalt in Berlin - pendelt also immer zwischen der Hauptstadt und der tiefsten Provinz - auch kein schlechtes Zeichen für diese Weinregion. Unsere Weinempfehlung - Portugieser 2007 Villány Auch diesen Wein haben wir zuerst "pur" kennen gelernt. Eigentlich bin ich kein Portugieser-Fan, vielleicht kommt das Vorurteil aus den Massenweinlagen in Deutschland und Ungarn. Aber das war ein echtes Erlebnis, dieser erste Schluck. Knackig, als ob man in eine frische Herzkirsche beißt. Saftig und würzig macht er sich am Gaumen breit, nichts von der sattsam bekanten "Plörre", die bisher bei mir mit Portugieser verbunden war. Auch diesen Wein kann man "stundenlang" trinken, nicht nur der Wein, auch die Gespräche werden immer besser. Und bei der Vorstellung, ihn zu einem toskanischen Hühnchen, mit frischem, bissfestem Gemüse als Wein dabei zu haben, läuft doch glatt das Wasser im Mund zusammen. Kurzum - der abendliche Allround-Begleiter. Vom ersten Schluck beim Essen bis zum wirklich allerletzten "Absacker" kurz vor dem Heimgehen. Auch bei Horst Hummel gibt es Wein "im Paket". Gleichgültig ob der Versand nach Ungarn oder Deutschland geht - alle Preise incl. MwSt., Verpackung und Versand. Es gibt ein Probierpaket aus dem gesamten Sortiment. junge Welt Mittwoch, 26. November 2008, Nr. 276 / wein & speisen / Seite 5 Auf der Überholspur Seit zehn Jahren produziert Horst Hummel im ungarischen Villány Weine. Und die werden von Jahr zu Jahr interessanter. Sogar sein "Lindenblättriger" zeigt Klasse. Von Rainer Balcerowiak Auch vom Weingut Hummel gibt es zunächst eine traurige Mitteilung. Der vollmundige, kirschfruchtige, mineralische 2005er Kékfrankos (Lemberger) ist ausgetrunken. Und dem etwas runderen, aber noch nicht so prägnanten 2006er wollen wir noch etwas Zeit lassen. Ansonsten gibt es viele gute Gründe, mit dem Winzer zumindest virtuell anzustoßen. Seit er vor zehn Jahren seinen ersten eigenen Rotwein im ungarischen Villány - einen, sagen wir mal ganz brauchbaren Portugieser - produzierte, war kaum abzusehen, was für eine rasante Entwicklung dieses Weingut nehmen würde. Neben seinen tiefgründigen und finessenreichen Rotweinen, darunter auch hervorragende Cuvées im Bordeaux-Stil und dem bereits erwähnten Kékfrankos, hat sich Hummel auch um Weinstile und -sorten verdient gemacht, die normalerweise zu Recht keinen guten Ruf haben. Da ist zunächst einmal sein Rosé zu erwähnen. Besonders in Deutschland erscheint diese Weinart oft als eine Art profitabler Resteverwertung unter dem Motto: Alles, was für "richtigen" zu schlecht und vor allem zu hell ist, wandert in den Rosé. Viele der zahlreichen "Weißherbste", "Schillerweine" und wie sie alle heißen gehen den Konsumenten mit aufdringlichen Lutschbonbonnoten auf die Geschmacksnerven. Der einzige Eindruck, der etwas längern im Gaumen verbleibt, ist der einer klebrigen Süße. Gern wird bei diesen Weinen auch mit Aromahefen nachgeholfen, um das beliebte Himbeeraroma zu produzieren. Mit Wein hat das wenig zu tun und mit Genuß schon gar nicht. Keine Speise, außer vielleicht Marschmellows, dürfte sich in ihrer Begleitung wohlfühlen, und auch der größte Weinfreund sollte auf der sommerlichen Terrasse, vor die Wahl gestellt, ein solides Bier bevorzugen. Dabei gehören Roséweine unbestritten zur Weinkultur. Sie sollten leicht sein, eine merkliche Säure und wenig Tannine aufweisen. Anders als Weißweine weist ein guter Rosé aber zarte Gerbstoffnoten auf, die der kurzen Lagerung auf den Schalen geschuldet ist. Als Durstlöschern mit dezenten Waldfruchtaromen können sie ebenso ein Genuß sein, wie als Begleiter zu sommerlichen Speisen, wie zum Beispiel gegrillte Sardinen. Einen derartigen Rosé herzustellen, ist gar nicht so schwer, wie Hummel in steter Regelmäßigkeit beweist. Die für ihn bestimmten Kékfrankos-Trauben wurden 2007 einige Wochen früher als für den normalen Rotwein gelesen und der Spontangärung überlassen, d.h. auf den Einsatz von Reinzucht- oder gar Aromahefen wurde verzichtet. Sein etwas zu pralles Bukett in der Nase täuscht glücklicherweise und weicht schnell den rebsortentypischen Kirschanklängen, einer knackigen Säure und feiner Mineralik, was angesichts der für einen Rosé enormen Extraktdichte von 20,4 Gramm pro Liter nicht verwunderlich ist. Hummels Villányi Kékfrankos Rosé 2007 DHC Villány Classicus erhält man - ab der Berliner Dependance - für 5,50 Euro pro Flasche. Bei Bestellung bis zum Ende dieses Jahres gibt es - hallo Schnäppchenjäger - einen "Jubiläumsrabatt" von zehn Prozent. Das gilt natürlich auch für alle anderen Weine aus seinem Sortiment. Und besonders für die DDR-sozialisierten Weinfreunde dürfte der 2007er Hárslevelü von Interesse sein. Hinter diesem etwas sperrigen Namen verbirgt sich jene autochthone ungarische Weißweinrebsorte, die unter dem Namen "Lindenblättriger" mehr oder weniger kontinuierlich den Grundpfeiler der Weinversorgung in den HO-Läden darstellte. Die seinerzeit befürchteten Qualitätsschwankungen braucht man bei Hummels Hárslevelü nicht befürchten. Der extrem trockene und heiße Jahrgang hat dem Wein erhebliches Volumen und warme, teilweise tropische Fruchtnoten verliehen. Der nach Spontanvergärung erfolgte teilweise Ausbau in gebrauchten Barrique-Fässern verleiht ihm einen gewissen cremigen Schmelz, ohne aufdringliche Holznoten, versteht sich. An den guten "alten" Lindenblättrigen wird er jedenfalls nur sehr entfernt erinnern. Er wird für 6,50 Euro angeboten. Es gäbe noch einiges über Hummels Weine zu erzählen. Zum Beispiel über seinen aktuellen Portugieser. Oder seinen mittlerweile in voller Blüte befindlichen J.M. Cuvée 2004, einen Wein für ganz große Stunden. Doch wie sei schmecken, sollen Sie ruhig ohne unsere Hilfe herausfinden. Und so belassen wir es mit einer weiteren guten Nachricht aus dem Weingut: Dieses wurde 2008 auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Weingut Horst Hummel, Buchholzer Straße 9, 10437 Berlin, Tel. 030/4453444 TAZ 15.06.2008 Sättigungsbeilage Rosé 2007 Villányi Kékfrankos Rosé, Roséwein trocken, Villány, Ungarn, Weingut Hummel, 5,50 Euro Till Ehrlich "…Der Villányi Kékfrankos gehört in seiner Preisklasse zu den wenigen Ausnahmerosés, die über eine gute Struktur und ein interessantes Geschmacksbild verfügen. Er wurde aus Trauben der Rotweinsorte Lemberger alias Blaufränkisch gekeltert, die in Ungarn Kékfrankos heißt. Es ist ein einfacher Wein, der rein handwerklich hergestellt wurde. … Am Gaumen entwickelt er allmählich eine diffenzierte Fruchtigkeit, die von schöner Frische geformt wird. Das schmeckt nicht nur erfrischend, es macht auch Freude und Appetit…." junge welt 20.12.2007 / Feuilleton / Seite 12 Erst trinken, dann essen Es gibt Menschen, die finden es irgendwie hip, sich am sogenannten Heiligen Abend Fleischabfälle in Form von Wiener Würstchen mit Salmonellensalat reinzuziehen. Am Tag danach gilt vielerorts nach wie vor die gefrorene Gans aus Polen oder Ungarn als erste Wahl. Das taugt nichts, das schmeckt nicht, das verschafft Völlegefühl und Übelkeit. Eigentlich gibt es keinen speziellen Grund, nur an den Weihnachtstagen etwas Besonderes zu essen. Allerdings lädt die Anhäufung von freien Tagen zu kulinarischen Eskapaden ein, und dem normativen Terror der Festtagsstimmung ist ohnehin schwer zu entgehen. Also lassen auch wir es krachen! Für das jW-Weinteam steht bei der Planung eines gediegenen Weihnachtsmahls natürlich die Auswahl der korrespondierenden Weine ganz weit vorne. Daher spricht nichts dagegen, die Frage der Speisen entsprechend unterzuordnen. Die Rotweinsorte des Jahres ist dieses Mal zweifellos der Lemberger, der in Österreich als Blaufränkisch und in Ungarn als Kékfrankos bekannt ist. Stets kirschfruchtig, manchmal ausgesprochen tiefgründig kommen bessere Tropfen daher. Winzer, die auf Ertragsbegrenzung setzen und der Versuchung widerstanden, das vielschichtige Geschmacksbild dieser Rebsorte mit echten oder gefälschten »Barrique«-Aromen zu erschlagen oder mittels Chaptalisierung mastige Alkoholbomben zu erzeugen, haben uns einige mehr als erbauliche Lemberger präsentiert. Aber auch wir wollen nicht nur trinken, sondern ebenfalls essen. Ein Lemberger schreit weniger nach einer Gans als nach Wild. Ohnehin sind eßbare Freilandgänse teuer und rar, während die Beschaffung einer Rehkeule oder eines Wildschweinbratens auch wenige Tage vor Weihnachten wenig Probleme machen sollte. Letzteren, aus frischem Brandenburger Abschuß, haben wir neulich mit einer Farce aus Maronen, Steinpilzen und Wildschweinhack gefüllt, angebraten und anschließend in die Röhre geschoben. Unser leicht überdrehter russischer Koch des Tages servierte dazu handgemachte Gnocchi, aber Kartoffeln oder Klöße tun’s natürlich auch. Als Beilagen sind Rot- oder Rosenkohl erste Wahl. Zusammen mit Golters Lemberger entstand ein kulinarisches Gesamtkunstwerk, das auch an mit Wunschvorstellungen überfrachteten Eventtagen wie Weihnachten nicht nur bestehen, sondern jede Schrottgans in die Schranken verweisen kann. Gleich einer doppelten Prüfung unterzogen wir Hummels Kékfrankos. Eine Wildente und eine Hirschkeule, letztere mit Rotkraut, kamen auf die Teller. Besonders bei der zweiten Variante hätte Golter wohl passen müssen, während der ungarische Superwein hier seine Ressourcen voll und ganz ausspielen konnte. Wer übrigens dennoch nicht auf seine Gans verzichten will, die Geldausgabe für einen angemessenen Burgunder jedoch scheut, kann bedenkenlos auf die beiden Lemberger zurückgreifen, besonders wenn das Vieh mit Maronen und Äpfeln gefüllt ist. Weihnachten ist nunmehr also gerettet. Weingut Horst Hummel, Buchholzer Straße 9, 10437 Berlin, Tel. 030/4453444 http://www.jungewelt.de/2007/12-20/021.php TAZ 10.02.2007 Sättigungsbeilage Rot Till Ehrlich 2003 Villányi Cabernet Sauvignon "Erste Lese Selection", Rotwein trocken,
Ungarn, Weingut Hummel, 15 Euro Junge Welt Mittwoch, 29. November 2006, Nr. 277 Noch nicht trinken! Rainer Balcerowiak Neues vom ungarischen Weingut Hummel: Ein sagenhafter Gewürztraminer, ein fülliger Portugieser und einige rote Perspektivweine harren der angemessenen Behandlung Beginnen wir mit einem Superlativ. Der 2005er Gewürztraminer vom Weingut Hummel ist das Beste, was wir von dieser Rebsorte in den letzten Jahren getrunken haben. Faktisch ohne Restsüße und mit einem kraftigen. aber dennoch harmonischen Säurespiel widerspricht diese pralle Fruchtbombe diametral den gängigen Faustregeln zur »Ausgewogenheit« von Süße und Säure. Hinter dem enorm hohen Extraktwert von rund 30 Gramm pro Liter verbirgt sich satte Mineralität und ein riesiger Strauß von Aromen: Rosenduft, Marzipan, Melone, Lychee, Mandel und gar ein Hauch von Kardamom, Pfeffer und auch Vanille. Wobei letzteres bei Hummel natürlich nichts mit modischen Weißweinverschandlungen mittels Barriqueausbau oder Eichenchips zu tun hat. Falls es dieser Wein auf die Podien internationaler Verkostungen schaffen sollte, können sich die Gewürztraminerplatzhirsche aus dem Alsace, aus Siidtirol und aus einigen deutschen Anbaugebieten jedenfalls warm anziehen. Dazu kommt, daß er mit sieben Euro für einen Wein dieser Güteklasse nahezu lächerlich billig ist. Wer ihn zu -gerne auch kräftig gewürzten -Fisch- oder Meeresfrüchtegerichten trinkt, wird eine neue Facette der perfekten Verbindung von Speis und Trank entdecken. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29. Januar 2006, Nr. 4 REINER WEIN Gut eingependelt Die neuen Weine aus dem Osten Europas sind in deutschen Weinregalen immer noch kaum präsent, während sie in ihren Heimatländern oft regelrecht gefeiert werden. Ein besonders schönes Beispiel für dieses Phänomen ist der Rotwein aus Villány in Ungarn, dem südlichsten Weinbaugebiet des Landes nahe der kroatischen Grenze. Die Spitzenweine von József Bock, Attila Gere und Ede Tiffán sind richtig teuer und in Ungarn extrem gefragt, hierzulande dagegen kaum aufzutreiben und fast völlig unbekannt. Dieser Umstand wird noch erstaunlicher angesichts der Tatsache, daß Villány auch eine deutsche Geschichte hat. Sie begann um das Jahr 1740 mit der Ankunft der ersten deutschen Siedler und erreichte vor rund hundert Jahren ihren Höhepunkt. Damals hatte die Stadt Villány 2200 Einwohner, von denen 74 Prozent Deutsche waren. Erst 1945 wurden sie aus Ungarn deportiert, wobei es einigen deutschen Familien wie den Tiffáns auf abenteuerliche Weise gelang, doch zu bleiben. Während in Villány Hummels Kollegen ihre Spitzenweine in neuen Holzfässern reifen, baut er sämtliche Rote in altem Holz aus. Das Ergebnis sind fruchtige Weine mit Charakter. Hummel stellt dort in mehrerer Hinsicht eine Ausnahme dar, unter anderem wegen der Weinstilistik. Denn während alle seine berühmten Kollegen ihre Spitzenweine in neuen Holzfässern reifen lassen, was zu recht ausgeprägten Toast-, Rauch- und Vanillenoten führt, baut er sämtliche Rotweine in altem Holz aus. Das Ergebnis sind fruchtbetonte Weine mit viel Charakter - wie der 2004er Kékfrankos beziehungsweise Lemberger (7,50 Euro bei Hummel, Telefon 030/4453444). Eine lebendige Brombeernote und die herzhafte Art des Weines machen ihn frisch und schwungvoll. Junge Welt Nachgetrunken Go, Hummel, go! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge konstatiert Horst Hummel Jahr für Jahr, daß viele seiner Weine bereits wieder ausverkauft sind. Sein 1998 im ungarischen Rotweineldorado Villány gegründetes Weingut hat sich durch gute bis großartige Qualität eine stetig wachsende Fangemeinde aufgebaut. Doch gute Rotweine brauchen Zeit, um ihre Potentiale entfalten zu können. Hummel kann ihnen diese Zeit nicht geben, weil sein Betrieb »noch zu wenig Fett angesetzt an«, wie er es formuliert. Will heißen, daß er es sich noch nicht leisten kann, seine Weine einige Jahre bis zur optimalen Trinkreife zurückzuhalten. Verdient hätten sie es allemal, wie auch seine aktuelle Kollektion zeigt. Am ehesten trinkreif präsentieren sich seine 2004er Kekoporto (Portugieser) und Kekfrancos (Lemberger). Ersterer als unkomplizierter, fruchtbetonter Kamerad für alle Gelegenheiten und letzterer mit bereits deutlich ausgebildeten Beerennoten, Mineralität und Schmelz. Die Prämierung als Wein des Jahres in Villány hat er sich jedenfalls redlich verdient. Noch wesentlich verschlossener zeigen sich Hummels Spitzenweine. Doch obwohl man sich beim Genuß wie ein vinologischer Kinderschänder vorkommt, lassen sein Cabernet Sauvignon aus der ersten Lese einer Neuanlage, sein Merlot und seine »J.M Cuvée« bereits erahnen, was in ihnen steckt. Alle drei stammen aus dem Jahrgang 2003 und haben 18 Monate Reifung im alten Holzfaß hinter sich. Sie überzeugen trotz noch recht wilder Tannine durch Wärme, Würze und Tiefgründigkeit. Bei seiner Cuvée beschreitet Hummel Neuland, indem er die beiden klassischen Basissorten aller Bordeauxweine, Cabernet Sauvignon (50 Prozent) und Merlot (25 Prozent) mit 25 Prozent Kekfrancos ergänzt. Für das Konzept dieses Weins findet Hummel auf seiner Website die richtigen Worte: »Warum soll man gute Solisten nicht auch im Orchester spielen lassen? Die entscheidende Frage ist die nach den Protagonisten, ihrer Rolle im Orchester und der Partitur. Wer orchestral denkt, schätzt die Vieltönigkeit, das Volumen und die Kraft des Mediums, und das gilt sowohl in der Musik als auch beim Wein (...). Der Cabernet Sauvignon liefert das Gerüst, der Kékfrancos Mineralität und Frische und der Merlot Fülle und Gehalt.« Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Außer der Empfehlung, diese Weine schnell zu kaufen, wegzuschließen und 2007 erstmalig zu probieren, ob sie der Pubertät entwachsen sind. Und da wäre noch was: Hummel hat erstmalig einen Traminer im Programm, und zwar einen äußerst eigenartigen. Trotz des opulenten, sortentypischen Rosenbuketts in der Nase und im Antrunk präsentiert sich dieser durchgegorene Traminer (1,3 Gramm Restzucker) mineralisch, erfrischend, schlank und herb. Nichts für die Gänsestopfleber, aber ein brillianter, charakterstarker Solist. (balc) Bezugsquellen und Direktvertrieb: DIE ZEIT In glücklicher Lage In Villány machen deutschstämmige Winzer betörenden Rotwein
Wenn Villány ein Wein wäre, dann müsste man sagen: Er ist noch verschlossen.
Man kann hindurchfahren auf der Landstraße, die von Pécs in Südungarn bis
hinab nach Kroatien führt, ohne auch nur zu ahnen, was an diesem Städtchen
besonders ist. Ein paar alte Häuser am Straßenrand, deren bunte Türen einen
Spalt offen stehen. Ein paar Wegweiser mit deutsch klingenden Namen. Aber
wer im Herbst kommt, der kann es riechen. Überall hängt dieser süßsaure
Gärgeruch in der Luft und mit ihm die, die er angelockt hat. Es ist nicht
möglich, ein Glas Wein zu trinken, ohne dass sich Fruchtfliegen darin
ertränken. Was immer man sonst über den Geschmack einer Million Fliegen
sagen mag: Hier sind sie richtig. Villány ist einer der interessantesten
Weinorte der Welt. INFORMATION Till Ehrlich, 500 Weine unter 10 €, Hallwag 2006, Seite 208. Villányi Kékfrankos 2003 Weingut Hummel Villány ist ein Nest in Südungarn. Vor hundert Jahren war es berühmt für seine Rotweine. Manche Winzer waren Hoflieferanten für das kaiserliche Wien. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie begann der Niedergang. Dann, 1990 mit der politischen Wende in Ungarn, ein Neubeginn. Die neunziger Jahre brachten den Boom mit hohen Preisen, aufgeheizt durch den patriotischen ungarischen Markt. Die Weine werden dem nicht immer gerecht, immitieren internationale Weinmoden. Horst Hummel sucht einen anderen Weg, einen eigenen und langsamen. Sein Kékfrankos zeigt Spannung und echte Präsenz. Er vibriert vor mineralischer Saftigkeit; satte Frucht prallt mit markanter Säure zusammen. Eigenwillig. Geerdet. Natürlich. Zwei Stunden dakantieren. Auf der Höhe von 2008 bis 2011. 3 Gläser Till Ehrlich, a.a.O., S. 206 Gewürztraminer 2004 Weingut Hummel Ein feinnerviger Gewürztraminer vom Kalkgestein. Die Mineralität des Bodens verleiht ihm Form und Struktur. Schmeckt erfrischend und herb. Ein schlanker Wein mit diskreter Aromatik. Leichtfüßig. 1 Glas Junge Welt 17.11.2004 Rainer Balcerowiak Verkostungsnotizen Neues und Bewährtes aus Villány Wenn das jW-Weinteam einen Winzer erst einmal ins Herz geschlossen hat, dann wird er uns so schnell nicht mehr los. Es sei denn - auch das ist schon vorgekommen -, die Qualität seiner Produkte läßt deutlich nach. Davon kann bei Horst Hummel jedoch keine Rede sein. Sein 1998 in Villány im südwestlichen Ungarn gegründetes Weingut verfügt gegenwärtig über acht Hektar Rebanlagen, die aber noch nicht alle im Ertrag sind. Viele seiner Weine sind bereits ausgetrunken, auch der hervorragende 2003er Kékoportó (Portugieser) existiert nur noch in der Erinnerung begeisterter Weinfreunde. Man darf schon jetzt gespannt sein, wann Hummels Portugieser wieder einen ähnlich saftigen Kirschton und einen derartig vollen, intensiven Abgang aufweisen kann. Doch wir wollen Ihnen den Mund nicht nur mit definitiv unerreichbaren Genüssen wäßrig machen. Unter seinen aktuellen Rotweinen ist besonders der 2002er Cabernet Sauvignon zu empfehlen, dem die 15 Monate Lagerung im alten Holzfaß zu einer ausgewogenen und konzentrierten Struktur verholfen haben. Unbelastet von den modischen Vanilletönen der meisten Cabernets kommen die sortentypischen Anklänge an schwarze Johannisbeeren und Holunder voll zur Geltung. Sein Restzucker- Säureverhältnis ist mit 0,25 zu 5,4 Gramm pro Liter zwar recht ungewöhnlich, wird durch die Extraktdichte aber gerechtfertigt. Noch sind seine Tannine etwas rauh, und so ergänzen wir diese Weinempfehlung mit der dringenden Bitte, die Flaschen noch einige Zeit - mindestens ein Jahr - liegenzulassen. Die verlangten acht Euro ist der Wein jedenfalls wert. Unter Hummels älteren Weinen befindet sich eine ausgesprochene Kuriosität. Obwohl sein 2000er Hárslevelü (Lindenblättriger) bereits frühzeitig die normale Reife erlangt hatte, ließ Hummel ihn noch einige Wochen hängen. So entstand ein mit 115 Grad Öchsle absolut untypischer Hárslevelü mit boytritischen Noten (Edelfäule). Obwohl die Gärung bei 14 Gramm Restzucker stoppte, weist er 14,3 Prozent Alkohol auf: zuviel für die Begleitung der meisten Speisen. Mit den Jahren hat dieser bernsteinfarbene Wein aber eine wunderbare Sherrynote entwickelt, die ihn zu einem großartigen Aperitif macht. Einen derartigen Wein wird man wohl für 4,50 Euro nie wieder bekommen. Bei beiden Weinen ist übrigens Eile geboten, da sich die vorhandenen Restmengen in engen Grenzen halten. * Weingut Horst Hummel, Vertrieb und Bezugsquellen:Tel. 0 30/ 4 45 34 44, E-Mail hh@weingut-hummel.com Junge Welt 24.06.2004 Feuilleton Rainer Balcerowiak Korken ziehen! Lemberger in Badehose Ein Rosé mit 13 Prozent Alkohol als Terrassenwein und fruchtig-spritziger Begleiter sommerlicher Gerichte, geht das? Offensichtlich. Schließlich kann Horst Hummel nichts dafür, daß der 2003er Sommer seinem Kekfrankos (Lemberger) im ungarischen Villány soviel Power mitgab. Der spätberufene Winzer ist zwar ein bekennender Freund schwerer, fülliger Rotweine, doch auch sein 2003er Kekfrancos Rosé - erstmalig ausschließlich aus eigenem Lesegut gewonnen - ist ein außerordentlich gelungener Vertreter dieser Weinart. Mit den meist wäßrigen deutschen Rosés, Weißherbsten und Schillerweinen hat Hummels Wein jedenfalls nichts zu tun. Begrüßt wird man beim ersten Schluck von dezenten Himbeeren, die dank der prägnanten Säure und der insgesamt trockenen Art des Weines aber nie zu dominant werden. Später gesellt sich ein Hauch Sauerkirsche hinzu, und sogar ein wenig Marzipan, aber das Gute, Ungezuckerte, ist am Gaumen zu vernehmen. Schließlich kommt dieser Rosé mit einem Gramm Restzucker aus. Stets bleibt der Wein als sortentypischer Lemberger zu erkennen, durch den Mangel an Tanninen und Gerbstoffen sozusagen als Lemberger in der Badehose. Er sollte durchaus leicht gekühlt genossen werden. Wir probierten ihn hocherfreut sowohl pur in geselliger Runde auf dem Balkon als auch in Begleitung gegrillter Sardinen und Sardellen, was sich als ausgesprochener Glücksgriff erwies. Selten haben wir zu den üblicherweise in Meersalz und Zitrone marinierten, sehr geschmacksintensiven Kleinfischen etwas vergleichbar passendes zu uns genommen. Schlappe 4,50 Euro ruft Hummel als Preis für diesen Rosé auf. Versand bzw. Auslieferung (nur in Berlin) erfolgt ab zwölf Flaschen, was keine Hürde sein sollte, denn der Sommer ist ja noch lang. Auch Selbstabholung ist möglich. * Weingut Hummel, Tel.: 030/4 45 34 44, E-Mail: hh@weingut-hummel.com Junge Welt 05.11.2003 Gerlinde Kießling Learning by doing Ein deutscher Rechtsanwalt hat sich vorgenommen, in Ungarn Spitzenweine zu produzieren Wie eine Winzerstube wirkt die Wohnung von Horst Hummel nicht. Eine geräumige, modernisierte Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg mit abgezogenen Dielen und einem großflächigen Bild in einem fast leeren Zimmer sind eher Insignien urbanen Großstadtlebens als die gängige Ausstattung der Behausung von Weinbauern. Eigentlich ist der 42jährige Hummel ja auch ein "ganz normaler" Rechtsanwalt aus Süddeutschland, den es irgendwann nach Berlin verschlagen hat. Doch die Juristerei ist inzwischen nur noch ein berufliches Standbein: Hummel hat 1997 in Ungarn ein Weingut gepachtet und ist auf dem Weg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Daß sich Hummel als bekennender Freund schwerer, gehaltvoller Rotweine das Villány-Gebiet im Südwesten Ungarns ausgesucht hat, kommt nicht von ungefähr: Längst gilt Villány aufgrund seiner klimatischen Bedingungen und der hervorragenden Lößböden als Ungarns Antwort auf Bordeaux. Acht Hektar Rebanlagen hat er inzwischen gepachtet. Der Großteil wurde vor drei Jahren neu bepflanzt, und zwar mit den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Kékfrancos (Lemberger), Kékoportó (Blauer Portugieser), Merlot und Pinot Noir. Cabernet Sauvignon? Der sei in Villány keineswegs eine dem Weltweintrend geschuldete Modeerscheinung, versichern Kenner des ungarischen Weinbaus. Auf den Lößböden und durch den für spät reifende Sorten optimalen Vegetationsverlauf findet er, strenge Ertragsbegrenzung vorausgesetzt, optimale Bedingungen, was zwischen 1945 und 1990 leider herzlich wenig interessiert hat. Im vergangenen Jahr gab es auf dem Weingut Hummel die ersten kleinen Erträge, doch seine Weine keltert Hummel zur Zeit noch fast ausschließlich aus zugekauftem Lesegut benachbarter Güter, das natürlich seinen Qualitätsansprüchen genügen muß. Hummels Weinphilosophie ist ebenso einfach wie bestechend: "Der Wein macht sich selbst". Stets soll er nach der Gegend und dem jeweiligen Jahrgang schmecken und auf seinem Weg vom Rebstock in die Flasche nicht manipuliert und "geschönt", sondern lediglich fürsorglich begleitet werden. Dazu gehören für Hummel strenge Ertragsbegrenzung durch Beschnitt, Verzicht auf Kunstdünger und Herbizide, Vergärung in offenen Tanks, Ausbau in alten Holzfässern, Verzicht auf Fremdhefen - also keine Spur von High-Tech. Hummels momentane Produktion nimmt sich noch recht bescheiden aus. 15000 Flaschen wurden 2002 abgefüllt. Wenn alle Anlagen voll im Ertrag stehen, wird vermutlich 2009 die Marke von 50000 Flaschen erreicht. Die Weine Das jW-Weinteam hatte die Gelegenheit, einige seiner Weine zu verkosten. Beim Kékoportó (Portugieser) führt Hummel den deutschen Winzern vor, was man mit dieser Rebsorte machen kann. Statt durch reichliche Zuckerzugabe vor der Vergärung sinnlos alkoholisierter Blender oder wäßriger Rosés bietet er ein duftig-saftiges, trockenes Tröpfchen, das sich mild und unaufdringlich, aber perfekt nicht allzu schweren rotweingeeigneten Speisen anpaßt. Kein großer Wein, aber ein geschmeidiger Begleiter zu Lamm- und Wildgerichten und mit 4,50 Euro auch mehr als fair ausgepreist. Der Kékfrancos (Lemberger) Rosé versprüht eine Juvenilität, die das eigene Alter schmerzhaft spüren läßt. Weit entfernt von den vielen mißglückten Rotweinen, die dann noch als Rosé auf den Markt geworfen werden, bringt er den produktiven Zwiespalt dieses Weinproduktionssegments auf den Punkt. Säurefrische, unreifes Obst, aber auch der Hauch von Tanninen, die ein Weißwein eben niemals aufweisen kann, prägen den Geschmack. Auch ein bißchen säuerliche Himbeere meldet sich zu Wort, ohne auf die Nerven zu gehen. Ein Durstlöscher vom Feinsten und dazu noch ein Freund der asiatischen Küche. Sicherlich jung zu trinken und mit 4,50 Euro extrem geldbeutelschonend. Allerdings konnte uns sein Kékfrancos-Rotwein nicht recht überzeugen. Wahrscheinlich erst am Anfang seiner Entwicklung befindlich, weist der 2001er zwar schöne sortentypische Kirschnoten und eine selbstbewußte Säure auf, hatte aber in der ersten Abfüllung einen ganz leicht muffigen Ton, den das jW-Weinteam nicht so recht zu deuten wußte. Die zweite Abfüllung, die jetzt in den Handel kommt, wirkte zwar fehlerfrei, aber nicht besonders charakterstark. Zudem sind die geforderten sechs Euro im Vergleich zu den Produkten einiger qualitäts- und preisbewußter Württemberger Lembergeranbauer nicht gerade ein überzeugendes Kaufargument. Mit seinen Topweinen aber ist Hummel ziemlich nahe am Olymp, ohne Mondpreise zu verlangen. Seine Rotweincuvée "J.M." wird stets neu aus den von ihm verarbeiteten Rotweinsorten komponiert. Im Jahr 2000 waren es zu gleichen Anteilen die beiden Cabernet-Sorten Sauvignon und Franc, die einen tiefen, ausgewogenen Wein ohne Barrique-Show und mit dennoch gut herausgearbeiteten, aber abgepufferten Tanninen und vielschichtigen Fruchtaromen kreieren halfen. Wunderbarer, nachhaltiger Abgang. Mit zehn Euro ist er nahezu lächerlich billig und sollte so manchem Grand-Cru-Winzer aus dem Bordeaux-Gebiet, der mindestens das Doppelte für vergleichsweise anspruchslosere Plörre verlangt, die Schamröte ins Gesicht treiben. Dagegen ist Hummels Cuveé ein beeriger Traum ohne Fehl und Tadel, dem man wünschen möchte, daß ihm in Kellern und Vorratskammern vieler Käufer noch ein paar Jahre zur Reifung gegönnt werden. Doch schon jetzt ist er viel mehr als eine vage Verheißung künftiger Wonnen: ein Rotwein für die großen Stunden. Diese Weine will Hummel nur in Spitzenjahrgängen produzieren. 2001 und 2002 fielen deshalb aus. Doch schon jetzt ist sicher, daß vom Jahrgang 2003 wieder eine Cuvée angeboten wird. Da überrascht es dann kaum, daß auch Hummels reinsortiger Cabernet Sauvignon sich weit über die Scharlatanerie erhebt, die mit dieser Rebsorte zwischen Mexiko, Obermosel, Indien und Marokko veranstaltet wird. Eine weiche, dezente Holznote bringt den typischen Johannisbeerton bei Hummels 2000er zur vollen Entfaltung. Hochkonzentrierte Aromen umschmeicheln die Geschmacksnerven, ohne sie zu überfordern. Ein langer, warmer Abgang mit einer zarten Ledernote rundet das inzwischen leider ausverkaufte Vergnügen ab. Leider sind die meisten Hummel-Weine bereits ausgetrunken und höchstens noch im Fachhandel erhältlich, hauptsächlich in Berlin. Doch die neuen Jahrgänge kommen bestimmt. * Bezugsquellen kann man unter www.weingut-hummel.com erfahren. Probierpakete werden direkt durch Horst Hummel vertrieben, Telefon: 030/ 4453444 E-Mail: hh@weingut-hummel.com Junge Welt 05.11.2003 Interview: Gerlinde Kießling Der Traum vom Spitzenrotwein Vom Weinkonsumenten zum Winzer. Horst Hummel über sein Weingut in Villány (Ungarn) F: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Weingut in Ungarn zu gründen? Das bahnte sich über einen längeren Zeitraum an. Ich war zunächst einfach als Konsument an Wein interessiert. Ich habe auch viele Weinregionen bereist, in Frankreich, Italien und Australien und dort Weingüter besucht und Weine probiert. Dann kamen die politischen Umwälzungen in Osteuropa, und ich dachte mir, Ungarn ist ein altes Weinland und vielleicht könnte man da was machen. Dazu muß man wissen, daß meine Vorfahren aus der Vojvodina stammen und mein Urgroßvater dort Weinmacher war. Auch daher kommt sicherlich eine gewisse Affinität zum Weinbau und zur Region. Nach einem Besuch bei entfernten Verwandten in Ungarn 1997 habe ich mich ein bißchen umgehört, wo eigentlich der beste Rotwein in Ungarn produziert wird. Alle haben mich nach Villány geschickt. Und daraufhin bin ich im Herbst 97 zur Ernte noch mal nach Ungarn gefahren, erst zu meiner Verwandtschaft nach Paks an der Donau und von dort nach Villány. Das Gebiet hat mich auf Anhieb überzeugt, und dann ging es los. F: Gab es in Ungarn Schwierigkeiten beim Erwerb der Weinberge und dem Aufbau des Weinguts, oder werden Investoren im Weinbau mit offenen Armen empfangen? Dazu muß man wissen, daß Ausländer in Ungarn keine landwirtschaftlichen Nutzflächen erwerben können. Mein Weingut in Ungarn ist eine GmbH nach ungarischem Recht, eine KFT. Und diese Gesellschaft pachtet die Weingärten, über die wir verfügen. Allerdings sind das sehr lange Pachtverträge, die entsprechende Planungssicherheit gewährleisten. Es gibt, was die rechtliche Situation anbelangt, keinerlei Hindernisse für ausländische Investoren in Ungarn. Man hat dort Rechtssicherheit, die mit deutschen Verhältnissen vergleichbar ist. Und die Verwaltung ist zuverlässig. F: Wie war die Zusammenarbeit mit den alteingesessenen Winzern? Ich wurde von Anfang an von den dortigen Winzern unterstützt. So hat mir Attila Gere ausgeholfen, als meine Flaschenlieferung nicht ankam. Jozsef Bock war von Anfang an mit der Abfüllung behilflich. Die größte Hilfe habe ich von Gábor Szende bekommen, dem örtlichen Weinbergrichter. Das ist der Chef der Administration der Weinmacher, einer Art Selbstverwaltung, die in allen Weingemeinden besteht. F: Ungarn gilt ja als Weinland mit großem Potential. Wo sind die spezifischen Stärken, die Alleinstellungsmerkmale des ungarischen Weinbaus abseits der internationalen Modesorten? Ungarn ist eines der ganz wenigen Länder, wo es noch autochthone Rebsorten gibt, und zwar über 20. Das ist ein großes Erbe und ein enormes Potential. Das betrifft allerdings ausschließlich weiße Sorten. Für mich als Rotweinproduzent sind in erster Linie das Mikroklima und die Bodenverhältnisse ausschlaggebend. Und da gehört Villány zu den Regionen der Welt, die für schwere, körperreiche Rotweine absolut prädestiniert sind. F: Nun hat ja der ungarische Weinbau wie auch der bulgarische jahrzehntelang unter mangelnder Qualitätsorientierung gelitten. Haben sich inzwischen Bemühungen durchgesetzt, bessere Qualitäten statt reiner Massenproduktion zu gewährleisten? Was Villány betrifft, kann man das eindeutig bejahen. Die Weinmacher, die ich dort 1997 zum ersten Mal traf, haben mich auf Anhieb überzeugt. Ich habe damals Attila Gere besucht, Gábor Szende und Ede Tiffán und habe deren Weine gekostet. In Gesprächen haben diese Kollegen immer wieder betont, daß die Region nur eine Zukunft hat, wenn man auf ein eigenständiges Profil setzt und auch mittels selektiver Lese und strenger Ertragsreduktion an der Herausarbeitung des Terroircharakters arbeitet. Diese Winzer sind diesen Weg bis heute konsequent weitergegangen. F: Unterstützt denn das ungarische Weinrecht derartige Qualitätsorientierung? Die offiziellen Rahmenbedingungen sind viel laxer als das, was in Villány an Qualitätsanstrengungen unternommen wird. So liegt nach dem ungarischen Weingesetz die Mengenhöchstbegrenzung für einen Qualitätswein bei 100 Hektoliter pro Hektar. Dabei ist klar, daß, wenn man anspruchsvolle Weine produzieren will, eigentlich 50 Hektoliter pro Hektar das obere Limit sind. Und die qualitätsbewußten Winzer arbeiten auch so. F: Wie groß ist Ihrer Meinung nach das Marktpotential für ungarische Weine in Deutschland? Es ist für mich sicher, daß es ein enormes Marktpotential für ungarischen Wein in Deutschland gibt. Allerdings leiden ungarische Weine noch immer an Imageproblemen, die aus der Vergangenheit herrühren. Auch heute findet man ungarische Weine hauptsächlich als anspruchslose Massenware in den Supermärkten. Die Spitzenqualitäten sind kaum vertreten. Besonders von seiten der Weinproduzenten muß da noch sehr viel getan werden. F: Hat es Sie nie gereizt, in Deutschland als Winzer aktiv zu werden? Offen gestanden, nein. Weil meine Sehnsucht schon immer schweren Rotweinen galt und weiterhin gilt. Sonntag Aktuell 17. März 2002 Der Traum vom eigenen Rotwein Till David Ehrlich Von einem Schwaben der auszog, in Ungarn Rotweine von Rang zu keltern. Und dabei seine Wurzeln nicht vergaß. Den Lemberger etwa. Wein ist ein Abenteuer. Unberechenbar und voller Überraschungen. Man erlebt gute und schlechte Zeiten. Höhen und Tiefen. So ist es auch bei Horst Hummel, der ein bemerkenswertes Weingut in Südungarn besitzt. Der 42-Jährige stammt aus Reutlingen. In den achtziger Jahren war er Jurastudent in Tübingen. Der Vater eines Studienfreundes besaß einen gut bestückten Weinkeller. Dort begegnete der junge Horst Hummel unerwartet einem Wein aus Württemberg, der die Leidenschaft in ihm weckte. Es war ein Lemberger mit Trollinger aus der Lage Neippberger Steingrube. Eine trockene Spätlese. Horst Hummel kannte die heimischen Rotweine aus Trollinger und Schwarzrieslinge ziemlich gut. Leichte Weine. Hellrot und süffig. Aber dieser Lemberger mit Trollinger war anders. Kein Leichtgewicht, sondern ein schweres Kaliber. Dunkel und dicht. Voller Kraft und Tiefe. Der Wein explodierte förmlich auf der Zunge. Es war ein Erlebnis ihn zu genießen. "Ich habe den Geschmack noch im Mund", sagt er heute und lacht. Es hatte ihn gepackt. Horst Hummel wurde Weinenthusiast. Er pilgerte nach Frankreich. "Ich bin in alle Weinkeller gestiegen, die mir in den Weg kamen" , erzählt er. Es war eine allmähliche Entwicklung, die in der Erfahrung mit Pinot Noir in Burgund gipfelte. Aber da war Horst Hummel schon Rechtsanwalt in Berlin. Sein Urgroßvater war Weinbauer gewesen, und so begab er sich 1997 auf familiäre Spurensuche. Die führte ihn in ein ehemals deutsches Dorf inder Vojvodina, 30 Kilometer östlich von Belgrad. Auf der Rückfahrt machte Horst Hummel Station in Ungarn. Plötzlich war dort ein Weingarten zu kaufen. Aus einem Traum wurde langsam Wirklichkeit. Die romantische Idee wurde zur Vision. Im Frühling 1998 gründete er sein Weingut in Villány, im Herbst holte er seine erste Ernte ein. Villány ist ein Nest in Südungarn. Ein Dorf mit 3000 Einwohnern und 600 Winzern. Alles dreht sich um Wein. Man kann ihn förmlich auf der Straße riechen. In Villány können außergewöhnliche Rotweine wachsen. Weine, von denen Horst Hummel immer geträumt hatte. Villány hat eine uralte Weinkultur. Die Kelten bauten hier schon vor den Römern Wein an. Es herrscht ein Mikroklima, das für Rotwein besonders geeignet ist. Ein sanfter Gebirgszug schützt das kleine Weinbaugebiet vor rauhen Winden, vom nahen Mittelmeer sorgen feuchte und warme Winde für eine ausgeglichene Vegetation der Reben. Die wurzeln in lösshaltigem Kalkboden. Vor Millionen von Jahren war hier das Pannonische Meer. Der urzeitliche Muschelkalk gibt den Weinen von Villány Kraft und Struktur. Die Gegend ist ein vergessener Landstrich. Das war nicht immer so. Vor hundert Jahren war Villány berühmt für seine Rotweine. Manche Winzer waren Hoflieferanten für das kaiserliche Wien. Aber nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie wurde es still um die Roten aus Villány. Guter Wein wurde hier freilich weiterhin gemacht. Aber erst 1990, mit der politischen Wende in Ungarn, begann die Renaissance. Ambitionierte Winzer wie Attila Gere oder Ede Tiffán wurden Qualitäts-Pioniere. Sie besannen sich auf das Potenzial des Gebietes und trieben so den Aufbruch voran. Die Weine von Horst Hummel sind nicht nur kraftvoll, sie sind geradlinig. Ohne Schnickschnack. Hummel hat eine klare Vorstellung von seinen Weinen.Den Charakter des Weingartens und der Frucht im Wein schmeckbar zu machen, ist für den Winzer wichtig. Die hohe Dichte der Aromen erreicht er mit drastischer Verringerung der Erntemengen und aufwendiger Rebpflege. Dies geschieht im Einklang mit der Natur. Seit dem Jahrgang1999 kann man das Ergebnis der Anstrengung schmecken. Und der 2000er ist besonders gute gelungen. Noch ist im Weingut alles in Bewegung, die Entwicklung nicht beendet. Hummel ist im Weinbau Quereinsteiger und Autodidakt. Er lernt schnell, kann Niederlagen gut einstecken. Inzwischen ist das kleine Weingut auf 8 Hektar gewachsen. Horst Hummel legt die Weinberge neu an, pflanzt hochwertigere Reben. In diesem Jahr wird erstmals eine kleines Rebstück mit internationalen Top-Sorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir in Ertrag kommen. Trotzdem fühlt sich Horst Hummel auch den traditionellen Rebsorten von Villány wie Blauer Portugieser (Kékportó) und Lemberger (Kékfrankos) verpflichtet. Sie bringen hier ungewöhnliche Weine hervor. Besonders der Lemberger ist es, der Horst Hummel mit seiner Heimat verbindet. In Reutlingen hat er seinen ersten Lemberger getrunken, heute baut er in Ungarn selbst welchen an. "Ich glaube an diese Sorte. Man kann daraus große Weine machen", sagt Hummel. Es gibt Szenen, die sich ein Winzer auch in düsteren Momenten nicht vorstellen mag. Schlimmer noch als eine schlechte Ernte. Eine solche Szene erlebte Horst Hummel an einem Montagmorgen im Mai 1999. Sein Weinkeller war geflutet. Mit Rotwein. Ein Fassreifen war gebrochen. Es war Hummels größtes Fass. Etwa 3000 Liter der Sorte Blauer Portugieser waren am Wochenende ausgelaufen. Langsam, aber stetig. Am Montag war das Fass dann leer. Ein Alptraum. Aber Horst Hummel sagte: "Ich mache weiter". Nur wenige Monate später, im Herbst konnte er dann herrliche Trauben vom Blauen Portugieser ernten. Dieser 1999er Kékportó Réserve war das erste tolle Ergebnis für den Winzer. "Eine ungeheure Freude", sagt er heute. Seit diesem Wein weiß er, dass sein Konzept aufgeht. Hummel hat die Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er ist kein Narziss. In Villány baut Horst Hummel seine Zukunft auf, verwirklicht den Wein seiner Träume. Schritt für Schritt. Dabei durchlebt er Höhen und Tiefen. Auch im Weinbau liegen Leid und Glück eng beieinander. Letzteres ist unberechenbar. Es verlässt einen manchmal, aber es kommt auch zurück. Wein ist eben ein Abenteuer. INFO: Ein Geheimtipp ist Hummels trockener Blauer Portugieser: 2000er Villányi Kékportó. Ein saftiger Roter, der herrlich nach vollreifen schwarzen Kirschen schmeckt. 4,35 Euro im 12er Karton. Bezug: Familie Hummel, Reutlingen, Tel. 07121 / 177 97 die tageszeitung taz, 27.10.2001 "Und dann war da ein Weinberg" Von einem der auszog, in Ungarn seinen eigenen Wein zu machen: Der frühere Rechtsanwalt Horst Hummel kaufte sich acht Hektar Weinberge und verwirklichte seinen Traum vom schweren Roten Interview MANFRED KRIENER taz: Herr Hummel, wie kam es, dass Sie ausgerechnet in Ungarn ein Weingut gegründet haben? Horst Hummel: Es fing damit an, dass ich seit zwanzig Jahren leidenschaftlicher Weintrinker bin. Als gebürtiger Reutlinger habe ich natürlich Trollinger getrunken, dann bin ich öfter nach Frankreich und Italien gefahren und dort in die Weinkeller gestiegen. Sie waren ein echter Weinenthusiast? Genau. Und weil ich viel mit den Weinmachern geredet habe, bekam ich ein Gefühl für den Wein und seine Herstellung. Dann schwirrte plötzlich dieser Gedanke durch meinen Kopf: Wie wäre es, wenn du eines Tages deinen eigenen Wein machen würdest? Ich habe dabei an Rotwein gedacht, an einen intensiven schweren Roten. 1986 hat mein Bruder eine Ungarin geheiratet. Auf dem Hochzeitsfest habe ich meinen ersten ungarischen Rotwein getrunken - einen hervorragenden Zweigelt. Ich war mächtig beeindruckt, dass die so anständige Weine machen. Seit diesem ersten Glas habe ich an das Potenzial ungarischer Rotweine geglaubt. Drei Jahre später kam die Wende und Ungarn war offen. Und ich dachte, okay, vielleicht kannst du in Ungarn wirklich einen Weinberg kaufen und einen konzentrierten, schweren Rotwein machen. Sie hatten die Struktur Ihres Weins schon im Kopf? Alle guten Rotweine der Welt sind konzentriert und intensiv. Ich habe oft mit meiner Schwägerin über die Möglichkeit geredet, in Ungarn diesen Wein zu machen. Aber erst 1997 bin ich nach Jugoslawien gereist, wo mein Urgroßvater als Weinmacher in einem Dorf in der Vojvodina gelebt hat. Auf der Rückfahrt habe ich in Ungarn Station gemacht. Und plötzlich war dort ein Weinberg zu verkaufen. Wir haben was für dich, sagte die Verwandtschaft der Schwägerin, obwohl das mit dem eigenen Wein nur so eine vage Idee war. Plötzlich wurde es bitterernst? Das ging mir viel zu schnell. Ich dachte, erst mal langsam, aber angucken kannst du das ja. Also sind wir die Donau runter nach Szekszárd gefahren, dort war ein kleiner Weingarten mit Zweigeltreben, einem Presshaus und Keller zu verkaufen. Der Preis war so günstig, dass ich dachte, das ist machbar. Also haben Sie zugeschlagen? Nein. Ich wusste noch nicht, ob das mein Ort ist. Außerdem hatte ich null Ahnung vom Weinmachen. Ich wusste nur, wie der Wein nachher schmecken sollte. Ich wusste nicht, wie man Reben schneidet, einen Weingarten bearbeitet, was man mit den Trauben anstellt, wenn sie geerntet sind, welche Ausrüstung ich brauche. Außer einer gewissen romantischen Vorstellung war nichts da? Ich hatte nur eine Vision, eine Idee. Als ich dann hörte, dass da ein Mann ist, der die Reben pflegt und mir hilft, wurde alles realistischer. Ich konnte mir ausrechnen, wenn du den Weinberg kaufst, den Mann bezahlst, dazu noch die Materialkosten für Spritzmittel, Maschinen, dann gehören dir 700 Liter Wein jedes Jahr. Mit diesem Gedanken im Kopf bin ich nach Berlin zurück und habe mich mit meinem ungarischen Freund beraten. Ich habe ihn sofort gefragt, wo der beste Rotwein Ungarns wächst. Villány!, hat der gesagt. Also war klar: Ich musste nach Villány. Das Dorf hat 3.000 Einwohner und 600 Winzer. Alles dreht sich um Wein. Man kann ihn förmlich auf der Straße riechen. Es hat mir sofort gefallen, und es gab ambitionierte Weinmacher wie Attila Gere, József Bock, Ede Tiffán und Gábor Szende, die Rotweine machen, die mich beeindruckt haben. Ich habe bei Gere in der Pension übernachtet, seine Weine probiert und gespürt, was an diesem Ort möglich ist. War damit die Entscheidung gefallen? Noch nicht. Ich bin wieder nach Hause und habe überlegt. Es war klar, dass ich kein Hobby wollte, sondern eine neue Existenz. Ich wollte das ernsthaft betreiben. Waren Sie bereit, Ihren Beruf als Rechtsanwalt für den Wein aufzugeben? Ja, ich habe meine Kanzlei sowieso nur noch nebenberuflich geführt. Dann habe ich angefangen zu rechnen: Wie viel Hektar brauchst du, um davon zu leben. Mindestens zwei, besser fünf. Dann bin ich losgefahren. Ich hatte keine Ahnung, ob in Villány überhaupt Land zum Verkauf stand, aber ich hatte mich entschieden. Das war im Frühling 1998. Zu diesem Zeitpunkt war die Invasion der Österreicher, Deutschen und Franzosen, die alle in Ungarn Weinberge kauften, eigentlich schon vorbei. Die Felle waren verteilt. Aber Villány ist von den Aufkäufern verschont geblieben, weil es klein und nicht so bekannt ist. Die Großinvestoren gingen nach Tokay und zum Balaton. Dort haben sie 100 Hektar und mehr auf einen Schlag gekauft. Das bekommt man in Villány nicht. Sie haben Ihre fünf Hektar aber gefunden? Es sind inzwischen sogar acht. Gábor Szende, der Vorsitzende der Winzervereinigung Villány, hat mir geholfen. Ich hatte ihm von meinen Plänen erzählt. Er hat überlegt, ein paar Mal telefoniert und dann hatte ich innerhalb von zwei Stunden das erste Angebot. Ich stand völlig verunsichert in den Weingärten, konnte nicht beurteilen, ob das jetzt eine gute oder schlechte Lage ist. Ich musste aus dem Bauch raus entscheiden. Mein ganzes Wissen war angelesen, ich hatte keine Erfahrung. Natürlich sagt einem keiner, welche Lage besonders gut ist oder wo der Nebel drinsteht. Wie lange hat das gedauert, bis Sie sich definitiv entschieden hatten? Zehn Tage. Als ich Ende März zurück nach Berlin fuhr, besaß ich bereits sieben Hektar, davon gut sechs am Stück in einem großen Gelände. Ich stand da drin, und das kam mir wahnsinnig groß vor. Das war riesig. Ich dachte, wenn der ein Drittel verkauft, das wäre okay, aber dieser ganze riesige Weinberg. Ich habe dann woanders kleine Parzellen gekauft, musste aber immer an die sechs Hektar denken. Bis ich sie gekauft habe. Was haben Sie dafür bezahlt? Viel! Ich will hier nicht die Preise für ungarische Weinberge ausbreiten. Ich konnte es finanzieren. Damit kam schon im gleichen Jahr eine gewaltige Ernte auf Sie zu? Nein, die sechs Hektar waren noch nicht bepflanzt. Nur auf den kleineren Parzellen wuchsen schon Portugieser, Blaufränkisch und Welschriesling. Bis zur Ernte wollten die alten Besitzer die Weinberge pflegen und mir die Trauben verkaufen. Den Wein sollte ich selbst machen, es musste also was passieren. Die Qualität dieses ersten Jahrgangs konnte ich kaum beeinflussen, weil die Weinbergspflege nicht meine Sache war. Da ließen die sich nicht reinreden. Im Mai habe ich dann ein altes, zerfallenes Bauernhaus gekauft, außerdem ein Presshaus mit Keller und einem weiteren kleinen Weingarten. Jetzt fehlte Ihnen noch die gesamte Ausrüstung: Fässer, Maschinen, sündteurer Edelstahl. Edelstahl habe ich bis heute nicht. So viel Geld hatte ich einfach nicht. Wir arbeiten mit einfachsten Mitteln. Da ich kaum Weißwein produziere, brauche ich Edelstahl und Temperatursteuerung nicht so dringend. Einen guten modernen Weißwein kriegst du ohne Temperatursteuerung bei der Gärung nicht so leicht hin. Beim Roten ist das einfacher, da musst du nur aufpassen, dass die Maische nicht über 35 Grad hochgeht. Dann drohte im September 1998 die erste Ernte. 8.000 Flaschen! Ich habe wahnsinnig viel gelernt dabei. Zuerst musste ich alles kaufen: Pumpen, Fässer, Traubenmühle. Aber woher kriegst du das alles? Passen die Kunststofftanks überhaupt in den Keller? Dann habe ich mir Bücher besorgt zum biochemischen Prozess. Wann wird geschwefelt, wie viel? Während der Ernte lag das Buch immer aufgeschlagen im Presshaus, und ich habe ständig nachgeguckt. Soundso viel Most, macht soundso viel Schwefel. Zum Glück hat mich Gábor Szende unterstützt, ohne ihn wäre das nichts geworden. Es gab ungeheure Probleme. Ich habe viele Krisen durchlebt, aber ich hatte den Geschmack des Weins im Mund. Erzählen Sie von den Krisen. Die neu gekaufte Traubenmühle lief nicht, weil sie Drei-Phasen-Strom brauchte. In meinem Presshaus gabs aber nur Zwei-Phasen-Strom. Also musste vom E-Werk Drei-Phasen-Strom ins Presshaus gelegt werden. Einen Tag vor der Ernte hatte ich keinen Strom. Du musst also jemand kennen, der beim E-Werk arbeitet. Ich kann aber kaum ein Wort Ungarisch. Es war dann so: Als der Traktor mit der Ernte um die Ecke fuhr, gingen im Presshaus gerade die Lichter an. Ohne fremde Hilfe wäre ich aufgeschmissen gewesen. Aber es hat immer wieder geklappt. Auch die Gärtanks sind erst auf den letzten Drücker geliefert worden. Und im Mai 1999 brach ein Fassreifen, und dreitausend Liter Wein versickerten im Erdreich. Wie haben die Ungarn auf den Chaoten aus Deutschland reagiert? Ich habe gute Erfahrungen gemacht. Die haben mich neugierig beobachtet. Natürlich war ich der Exot, der nicht gerade wie der geborene Weinbauer aussah, aber sie waren freundlich zu mir. Sie haben mir geholfen und mich nie wie einen Eindringling behandelt. Als mein Wein ausgelaufen ist, haben sie richtig mitgelitten. Dann kam der große Tag: die erste eigene Flasche in der Hand. Das war überhaupt nicht großartig. Eigentlich völlig normal. Und der erste Welschriesling war gewiss nichts Großes. Da wusste man nicht mal, ob überhaupt ein trinkbarer Wein rauskommt. Gut, am Ende war er doch noch ganz passabel. Ihre Weine werden vor Ort gefüllt. Wie funktioniert die Vermarktung? Die Weine werden in Berlin an Händler, Gastronomen und Privatkunden verteilt. Ich bin allerdings kein Vermarktungsgenie. Dass ich den Wein auch noch verkaufen muss, darüber hatte ich nie nachgedacht. Ich dachte, dass die Leute zum guten Wein kommen. Das denke ich immer noch, aber bis es so weit ist, werden zehn Jahre vergehen. Bis dahin muss der Wein zu den Leuten. In meinem Freundeskreis war anfangs natürlich beste Stimmung. Ich habe den größten Teil der Ernte hier in meiner Wohnung eingelagert. 450 Kartons mit zwölf Flaschen. Da haben sich richtig die Dielen durchgebogen. Als im Bad die ersten Fliesen geplatzt sind, habe ich Angst gekriegt. Fünf Lkws voll habe ich in meine Wohnung rein- und rausgeschleppt. Sie hatten keinen Weinhändler? Den fand ich beim Spazierengehen in Berlin. Wir waren am Potsdamer Platz, und ich bin einfach ins Weinhaus Huth rein und hab gefragt, ob sie keinen ungarischen Wein verkaufen wollen. Die wollten nicht, kannten aber eine Weinhandlung in Potsdam, die auf Ungarn spezialisiert war. Das waren Herr und Frau Pratschke - meine ersten Weinhändler. Inzwischen ist mir klar geworden, dass der Wein nicht auf mich gewartet hat. Es gibt so viele Weinmacher auf der Welt. Diese narzisstische Verlockung des eigenen Weins - das funktioniert nicht. Und Ihr Traum vom großen schweren Rotwein? Der ist noch da! Nächstes Jahr gibts den Jungfern-Ertrag aus dem neu bepflanzten Weinberg. Dort habe ich zwei Hektar Cabernet Sauvignon gepflanzt, zwei Hektar Blaufränkisch und knapp einen Hektar Merlot. Da kann ich selbst die Reben beschneiden und voll auf Qualität gehen. Der erste Jahrgang aus dem anderen Rebgarten - das waren sieben Tonnen Trauben von einem Drittel Hektar. Das war eine Sintflut, das hat gar nicht aufgehört. Als ich im nächsten Jahr diesen Weinberg selbst bearbeitet habe, fassten sich die Nachbarn an den Kopf: Willst du keinen Wein? Warum schneidest du alles weg? Ich habe knapp zwei Tonnen geerntet. Der Wein hatte in der ersten Analyse 40 Gramm Extrakt, der höchste Wert, den das Labor bei einem Blauen Portugieser jemals gemessen hat. Dieser Wein war das erste tolle Erlebnis, eine ungeheure Freude. Den mögen auch die Ungarn gern. Seitdem weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich will guten Wein zum vernünftigen Preis machen, das ist die Herausforderung. Weinjournalist Till Ehrlich hat die Hummel-Weine verkostet. Sein Favorit: der 2000er Villány Kékoporto: "Gute Harmonie von Frucht und appetitanregender saftiger Säure und Tanninen mit schöner Fruchtsüße." Ein trockener Roter für alle Tage. 8,60 Mark, Händlerliste und Bestellungen: Fon (0 30) 4 45 34 44 taz Magazin Nr. 6584 vom 27.10.2001, Seite VIII, 342 Interview MANFRED KRIENER Der Tagesspiegel Berlin 10.05.2002 "Terrassenweine" müssen nicht belanglos sein Auch Rotweine können relativ leicht und doch voller Geschmack sein. Dies beweist der Berliner Rechtsanwalt Horst Hummel, ein gebürtiger Schwabe, den es auf Spurensuche in der Familie nach Ungarn verschlagen hat. Er infizierte sich als Student in Tübingen mit der Vorliebe für substanzreiche Rotweine, die nicht so dünn schmeckten wie die klassischen Württemberger, durchquerte zunächst alle französischen Anbaugebiete - doch erst, als ihm 1997 im südungarischen Weindorf Villány ein Weingarten angeboten wurde, stieg er selbst ins Geschäft ein. Im Herbst 1998 erntete der Autodidakt die ersten Trauben, und durch Ertragsreduktion und aufwändige Rebpflege gelang es ihm rasch, seinen Weinen ein ganz eigenes, gradliniges Profil zu geben und den Charakter des Weingartens und die Frucht der Traube ohne Schnörkel schmeckbar zu machen, vergleichbar vor allem den besseren österreichischen Roten. Überraschend, dass ihm das sogar mit einer Rebsorte gelang, die nur gering geschätzt wird und in Deutschland selten mehr als fade Weinchen ergibt: der Kekoportó, auch als Blauer Portugieser bekannt. Hummels 2000er Villányi Kekoportó besticht durch betonte Schwarzkirschfrucht und erdige, aber nicht rustikale Würze, er wirkt tiefgründig, ohne schwer zu sein und reagiert überdies positiv auf leichte Kühlung, was ihn zum Terrassen-Rotwein prädestiniert. Zum ersten Barbecue die Ideallösung, zumal auch der Preis in die Saison passt: Die Flasche kostet 6,20 ? in der Weinhandlung Weinlese in der Crellestraße 43 in Schöneberg. Merke: Ungarn ist nicht nur mit Süßweinen zurück auf der önophilen Landkarte. Man versteht, dass der Anwalt Hummel längst als hauptberuflicher Winzer praktiziert. Bernd Matthies www.regine-tomat.de/aktuelles.html Heute möchte ich Ihnen den Rotwein *Villányi Kékoporto* vom 5 ha großen Weingut Hummel aus Villány in Ungarn vorstellen... Villány liegt im Südwesten Ungarns und verfügt über ein submediterranes Klima und genießt den Ruf für elegante Rotweine... Duft nach Rosen und blühendem Holunder Der erste Schluck erinnert an frisch gemahlenem Pfeffer mit einem Hauch grünem Paprika. Dann setzen sich langsam die fruchtigeren Noten durch - wie reife rote Johannisbeeren. Die Aromen des Weins sind harmonisch und saftig-füllig, ohne *schwer* zu wirken. Er weist einen angemessenen Nachhall mit einer guten Frucht-Saure-Balance auf. Alkoholgehalt: 12,1% Restzucker: 2,10 g/l Säure: 5,20 g/l |